Star Legends Band 1 - Himmelfahrtskommando

Irak

Frühjahr 2004

Eine karge Berglandschaft, schroffe kahle Felsen, enge Schluchten, Hitze flimmern. Ein altersschwacher Jeep fuhrwerkte auf einer Schotterpiste durch die Berglandschaft. Mühsam rollte er eine Steigung hinauf, der Motor röhrte, der Fahrer kämpfte mit der Gangschaltung. „Verfluchte Schrottkarre!", lästerte er. Kies knirschte unter den Rädern, das gequälte Heulen des Motors wurde stärker. Der Fahrer trat das Gaspedal durch und betete dafür, dass diese verdammte Rostlaube nicht den Geist aufgab. Ein erleichtertes Seufzen drang aus dem Mund des Mannes, als der Jeep die Steigung überwunden hatte, nun gemächlich eine abschüssige Stelle hinunterrollte. Das Heulen war verklungen, nun tuckerte der Motor wieder sanft vor sich hin.

Der Fahrer warf einen kurzen Blick auf die Landkarte, die ausgebreitet an der Windschutzscheibe angelehnt, auf dem Armaturenbrett lag.

Jene Person, die diesen verrosteten Jeep über eine staubige Schotterpiste steuerte, hörte auf den Namen Gregory West. Er war Archäologe vom Beruf, arbeitete für das Britische Museum. Als er sich dazu entschloss in den Irak zu gehen um dort Ausgrabungen zu machen hielten ihn seine Kollegen für leichtsinnig. Es war lebensgefährlich in Tagen wie diesen im Irak zu arbeiten. Seit dem Sturz des Saddam Regime war die Sicherheitslage im Irak katastrophal, immerzu gab es Anschläge von Aufständischen. Ausländer wurden am laufenden Band entführt, nicht selten fand man Tage später ihren abgeschlagenen Kopf irgendwo am Straßenrand. Leute wie Gregory West waren besonders gefährdet, den West war britischer Staatsbürger, gehörte zu der Sorte Leute, die im Visier von Al-Kaida und ihrer Sympathisanten waren. West war sich sehr gut bewusst, in welcher Gefahr er sich begab, doch er ignorierte sie, seine Neugier war größer als Furcht und Vernunft.

Er musste einfach in den Irak gehen, um die Hinterlassenschaften der alten mesopotamischen Kulturen zu erforschen, er war geradezu besessen davon, schon seit er ein kleiner Junge war. Das war auch der Grund, weshalb er diese Reise in ein Dorf namens Nukhayb, das sich etwa hundert Kilometer nordwestlich von Bagdad befand, auf sich nahm. Dort in den Bergen, soll es Höhlen geben, in denen sich uralte Artefakte befanden.

Der Jeep fuhr in eines der unzähligen Schlaglöcher, West wurde durchgeschüttelt, ein ärgerliches Murmeln kroch über seine Lippen, er hasste diese Straße.

Er steuerte diesen von Rost zerfressenen Geländewagen um eine enge unübersichtliche Kurve herum, die abschüssigen Felswände versperrte die Sicht, weshalb er den anderen Wagen erst spät sah. Bremsen quietschten, Kies knirschte, Wests Karte flatterte zu Boden. Ein Glück, das er schnell reagiert hatte, andernfalls wäre er mit dem anderen Fahrzeug kollidiert. Der Fahrer des anderen Wagens lenkte ihn behutsam an Wests Jeep vorbei, blieb kurz stehen, kurbelte das Seitenfenster hinunter und fluchte auf Arabisch, dann stieg er aufs Gas und brauste davon.

West ließ zischend Luft aus seiner Lunge entweichen, er hatte einen ziemlichen Schreck bekommen. Ein Autounfall hätte ihm gerade noch gefehlt. Er bückte sich um die Karte aufzuheben, und legte sie auf den Beifahrersitz, dort war sie besser aufgehoben. Der Motor heulte, als er aufs Gas stieg, der alte Jeep setzte sich wieder in Bewegung. In den nächsten Minuten ließ er seine Gedanken kreisen, West fragte sich, was ihm dort in Nukhayb erwartet. Seinem Informanten zufolge sollen in den vielen Höhlen wertvolle Artefakte aus der babylonischen Zeit verborgen sein, in den letzten Jahren sollen einige Keilschrifttafeln, Tonkrüge und vieles mehr in diesen Höhlen gefunden worden sein. Vor Kurzem war eine Neue entdeckt worden, und weil sie neu ist, war die Möglichkeit gegeben, dass sie noch nicht von den Leuten in der Gegend geplündert wurde, wie die anderen. West hatte keinen Grund an den Worten seines Informanten zu zweifeln, bislang waren die Hinweise, die Muhammad ihm gab, stets korrekt gewesen.

Der Jeep kämpfte sich einer weiteren Steigung hinauf, erneut gab der Antrieb ein klagendes Geräusch von sich. Und diesmal mischte sich noch ein leises Zischen hinzu, aus dem Kühlergrill stieg Dampf auf, der Motor war eindeutig überhitzt. „Verdammte Karre, mach mir jetzt bloß nicht schlapp", schimpfte West. Zum Glück hatte er ein Handy und ausreichend Wasser bei sich, bei einer Panne in der Wüste war beides unverzichtbar.

Muhammad war zwar eine zuverlässige Quelle, doch von Autos verstand er offenbar nichts, die Transportmittel, die er West zur Verfügung stellte, gehörten auf den Schrottplatz und nicht auf die Straße. Wochenlang war West mit einem vergammelten Range Rover durch die Gegend gefahren, bis die Kiste in der Nähe der Ruinen von Babylon seinen Geist aufgab. Er musste mit dem Taxi zurück nach Bagdad. Als West Muhammad das Problem erklärte, versprach dieser seinen britischen Freund schnell Abhilfe zu schaffen. Zwei Tage später kam er mit diesem Jeep daher. Er sah so aus als stammte er noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht war dem auch so.

Der Wagen wurde angehalten, mit einem Grummeln auf den Lippen stieg West aus dem Jeep. Er umrundete das Gefährt, öffnete die Heckklappe und nahm ein Paar Handschuhe aus dem Rucksack mit seiner Ausrüstung heraus. Schließlich wollte er sich nicht die Finger verbrennen.

Kurz darauf stand er vor dem Jeep, die Motorhaube war geöffnet, vom Motor stieg Dampf auf, West direkt ins Gesicht. Sieht nicht gut aus, fuhr es ihm durch den Kopf.

Als er in Nukhayb ankam, dämmerte es bereits, wie erwartet. West war froh hier zu sein, froh, dass er es überhaupt hier hergeschafft hatte. Als aus dem Kühlergrill Dampf aufstieg, befürchtete West schon festzusitzen, zum Glück sprang der Wagen wieder an, als er abgekühlt war. Mit letzter Kraft kämpfte sich der Jeep eine Böschung hinauf, dieser alte Klepper von einem Geländewagen hatte in letzter Zeit eindeutig zu viele Steigungen überwinden müssen, das hielten seine rostigen Eingeweide nicht mehr aus. Vom Tag kündete nur noch ein orangeroter Lichtschein, der die Gipfel der Berge im Westen einhüllte, rot glühende Wolken im Osten, deren Schein von der aufziehenden Dunkelheit zunehmend verschluckt wurde. Der Mond lugte zwischen spitzen Gipfeln hervor, in einer Pracht, wie man sie in Europa nicht zu Gesicht bekam.

Als der Jeep die Anhöhe überwunden hatte, nun in einen schmalen Talkessel hinabrollte, da erblickte West das Dorf. Einfache, für diese Gegend typische Lehmziegelbauten lehnten sich an einer steilen Felswand, Licht flutete aus zahlreichen Fenstern in die Nacht, die langsam aber sicher das Land in ihren Besitz nahm. Der Wagen rollte durch das Dorf, zu dieser späten Stunde waren nur noch wenige Leute anzutreffen, West sah eine Gruppe alter Männer, die sich vor einem Haus angeregt unterhielten, eine Mutter scheuchte ihre Kinder ins Haus, das Dorf legte sich schlafen. Der Jeep hielt vor einer kleinen Behausung an anderem Ende des Dorfes, hinter ihr ragten steile Felsen auf. Dort oben, versteckt zwischen den Felsen soll diese dunkle Höhle sein. Vor dem Haus stand ein junger Orientale, groß gewachsen, landestypischen Vollbart, pechschwarze Haare, es war Muhammad. Ein alter Mann in der traditionellen Tracht der Menschen dieser Region leistete ihm Gesellschaft, auf einen Hirtenstock gestützt stand er da. West vermutete, dass es sich bei der Person um Abu Al-Mawardi handelte, der Ziegenhirte, den Muhammad erwähnt hatte, die Person, der die Entdeckung der Höhle zu verdanken war.

West stellte den Motor ab, die rostige Tür gab ein grässliches Quietschen von sich, als er aus den Wagen stieg.

„As salamu'alaykum", begrüßte Muhammad ihn.

„As salamu'alaykum", gab West zurück. Die beiden Männer umarmten sich, klopften sich gegenseitig auf den Rücken.

West maß ihn mit gespielter Verärgerung: „Was für eine Schrottkarre hast du mir da wieder aufgeschwatzt. Ich wäre damit beinahe hängen geblieben."

„Ist ein guter Wagen", behauptete Muhammad. „Aber wenn du was Besseres willst, kann ich mir ja bei den Amis einen Hummer ausborgen." Das war ein Scherz, ein ziemlich schlechter Scherz, in Zeiten wie diesen machte man keine solchen Witze, deswegen konnte West auch nicht darüber lachen.

Die drei Männer gingen in das bescheidene Haus des Hirten, er stellte West seine Familie vor, seine Frau, seine drei Söhne und zwei Töchter. Im Gemeinschaftsraum des Hauses kamen alle zusammen, bei Tee erzählte Al-Mawardi, wie er die Höhle entdeckt hat: „Es ist drei Tage her, als ich meine Ziegen den steilen Hang hinter dem Haus hinauftrieb. Ich gehe oft diesen Weg, schon seit Jahren, noch nie ist mir diese Höhle aufgefallen." Der Mann sprach arabisch, weshalb Muhammad die Worte übersetzen musste. Als West ihn fragte, weshalb der Hirte diese Höhle nie zuvor gesehen hat, obwohl er sich ständig in dieser Gegend aufhält, musste West erst warten bis Muhammad die Frage und die Antwort übersetzt

hatte. Der Hirte gab folgende Antwort: „Die Felsen sind steil und brüchig, es kommt oft zu Steinschlag, die Höhle ist wahrscheinlich lange Zeit verschüttet gewesen und bei einem vor Kurzen stattgefunden Steinschlag freigelegt worden." Die Worte des Hirten leuchteten West ein, vermutlich war es so. Er fragte den Hirten, ob er in der Höhle war, Al-Mawardi verneinte. Er hat zwar einen Blick hineingeworfen, doch das war alles.

„Wissen noch andere davon?", harkte West nach.

Erneut verneinte Al-Mawardi.

West war froh darüber, bedeutete dies doch, dass sich noch keine Räuber über sie hergemacht hatten. Er war ganz kribbelig, er konnte es kaum erwarten, einen Blick in die Höhle zu werfen. Doch damit musste er bis morgen warten, heute war es zu spät dafür. Nach dem Gespräch brachte Al-Mawardi seinen Gast in einen schlichten Raum, in dem er sich zu Ruhe begeben konnte. West bedankte sich und bereitete sich auf die Nacht vor, nach der anstrengenden Fahrt war er eigentlich ganz froh sich ausruhen zu können. Es dauerte nicht lange und der Schlaf bemächtigte sich seiner.

Wie aus dem Nichts erschien eine seltsame Gestalt im Dorf, ging zielstrebig auf die Gruppe alter Männer zu, die sich vor einem Haus versammelt hatte und sich gegenseitig Geschichten erzählte.

„Vor Kurzem ist ein Europäer eingetroffen. Ich will wissen, wo er ist?", sprach der Fremde mit kalter Stimme.

Einer der Alten sah die Gestalt, die in eine weiße Robe gekleidet war, eine Kapuze verbarg das Gesicht, trotzig an, Worte in einer herausfordernden Klangfarbe kamen aus dem Mund: „Wer will das wissen. Wer bist du, was hast du in unserem Dorf verloren, und was willst du von diesem Europäer?"

„Du stellst zu viele Fragen, alter Mann. Es wundert mich deswegen, dass du ein gutes Alter erreicht hast. Neugierige Leute sterben normalerweise jung. Vielleicht hast du ja sehr viel Glück gehabt, in deinem Leben. Ich rate dir, es nicht zu strapazieren."

„Er ist beim Ziegenhirten Al-Mawardi zu Gast", gab ein Anderer Auskunft.

„Danke!", sprach der Fremde knapp, wandte sich ab, bog um eine Hausecke und verschwand.

Am nächsten Morgen beim ersten Hahnenschrei war West wieder auf den Beinen. Er holte einen prall gefüllten Trekkingrucksack aus seinem Jeep, in ihm war alles was ein Archäologe für eine Ausgrabung benötigte, und schnallte ihn sich um. Er hatte noch einen Zweiten bei sich, den er Muhammad gab. Das Abenteuer konnte beginnen. Sie folgten einen steilen Pfad, er schlängelte sich zwischen den Felsen den Hang hinauf. Die Meter schmolzen unter ihren Stiefeln dahin, die Minuten verrannen, als sie den Pfad immer weiter nach oben stiegen. In den frühen Morgenstunden war es noch recht kühl, worüber West froh war, in der Hitze der Mittagssonne wäre so ein Aufstieg eine mörderische Tortur gewesen. Nach einer Weile, West hatte keine Ahnung, wie lange sie schon marschiert waren, doch er schätzte etwa eine dreiviertel Stunde, stieß Muhammad einen Schrei aus und deutete auf ein kleines Loch in einer Felsspalte, das muss die gesuchte Höhle sein.

West blickte drein wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum, und im Moment fühlte er sich auch wie an Weihnachten. Er schnallte den Rucksack ab, stellte ihn auf den Boden, kramte darin herum, fischte ein Stäbchen heraus, knickte es. Eine chemische Reaktion bewirkte, dass es zu leuchten begann. Dann stieg er eine Böschung hinauf, Schotter knirsche unter seinen festen Wanderstiefel, kleine Steinchen kullerten den Hang hinunter. Er hielt die Lampe in das Loch, das gerade mal so groß war, das man hindurchschlüpfen konnte. Im matten Schein der Lampe erblickte er eine Wand und Stalagmiten, mehr war im Moment nicht zu erkennen, um mehr zu sehen, musste er in die Höhle. West ging auf die Knie und zwängte sich durch das schmale Loch. Er erhob sich wieder und ließ den Leuchtstab durch die Umgebung wandern. Das diffuse grünliche Licht des Stabes offenbarte, das er sich in einer kleinen Grotte befand, aus zerborstenem Gestein, gluckerte Wasser. Am Boden erblickte er das, was er zu finden hoffte, Tontafeln, einige waren zerbrochen, viele waren jedoch noch intakt. Er führte den Stab an eine der Tafeln heran, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Ja, es war eindeutig eine Keilschrifttafel, den Schriftzeichen nach zu urteilen, stammte sie aus der Zeit des Neubabylonischen Reiches. West begab sich wieder zu dem Loch, steckte den Kopf hindurch und rief: „Muhammad, hol die Ausrüstung!"

Muhammad nickte, packte Wests Trekkingrucksack und kletterte den Hang hinauf. Dort angekommen stellte er ihn vor den Eingang ab, dann entledigte er sich seines Eigenen. Er holte aus dem einen

Rucksack alles heraus, was West für seine Arbeit brauchte. Zuerst eine Öllampe, die mehr Licht bot als der Leuchtstab. Muhammad reichte sie West durch das Loch hindurch. Dieser stellte sie auf den Boden und drehte sie auf. Jetzt erst, als das Licht stärker war, bemerkte er es, zwischen den Tontafeln befand sich etwas Metallisches. Ein Teil davon war vom Staub der Jahrtausende bedeckt, doch der Rest gab ein seltsames Leuchten von sich. West nährte sich dem seltsamen Objekt, hob es auf, pustete den Staub weg. Es war ein Medaillon, ein recht Seltsames. Das Metall, aus dem es geschmiedet war, glänzte wie Silber, zeigte keine Anzeichen von Rost, möglicherweise war es Silber. Doch West hatte das Gefühl, das es keines war. Aluminium? Unmöglich! Dieses Metall kannte man in der Antike noch nicht. Noch bizarrer waren jedoch die Schriftzeichen, die eingraviert waren. Es war nicht sumerisch, nicht akkadisch, auch nicht babylonisch, noch eine andere Schrift, die er kannte, es war etwas ganz anderes, West stand vor einen Rätsel. Plötzlich drang von draußen ein markerschütternder Schrei herein, er durchschnitt die Stille, ließ West erschaudern. Es war ein Todesschrei, und es war Muhammads Mund, aus dem er drang. Panik griff nach West, wie die Pranke eines Untiers umklammerte sie ihn. Etwas Schreckliches war geschehen. Das Medaillon entglitt seiner Hand, fiel in den Staub. Er stürzte sich auf das Loch, wollte so schnell wie möglich raus aus dieser Grotte, um zu erfahren, was Furchtbares vorgefallen war. Doch das konnte er nicht, ein Mann versperrte ihm den Weg. West hatte keine Ahnung, wie er in die Grotte kam, er hatte nicht bemerkt, dass jemand durch das Loch gekrochen war. Es könnte natürlich sein das seine Sinne so sehr auf diesen Schrei konzentriert waren, dass er die Annähung dieses Mannes nicht bemerkt hatte. Er starrte den Mann entsetzt an. Es war eine seltsame Gestalt, ein Hüne von mindestens zwei Meter Körperlänge, gekleidet in einen weiten weißen Umhang, eine Art Turban bedeckte seinen Kopf, um das Gesicht war ein Schal gewickelt, nur der Nasenrücken und die Augen waren zu erkennen. Die Augen, es waren Augen, die West das Blut in den Adern gefrieren ließen, mein Gott, sie waren violett. Waren das Kontaktlinsen? Vielleicht. Doch es war nicht allein die Farbe der Augen, die West die Haare zu Berge stehen ließ, es war auch der Blick. Diese Augen strahlten pure Kälte aus, es war der Gesichtsausdruck eines gewissenlosen Killers. Er wusste, was auch immer mit Muhammad geschehen war, dieser Mann war dafür verantwortlich. „Was haben sie mit Muhammad gemacht?", brach es aus ihm hervor. Er fühlte sich seltsam, eine Mischung aus Furcht und Zorn hatte ihn erfasst.

„Ich habe ihn getötet", erwiderte der Fremde emotionslos, „das, was ich jetzt auch mit ihnen machen werde." In dem Moment, als diese Worte zwischen den Lippen des Hünen hervorkamen, fraß die Angst die Wut, West hatte das Gefühl, als würde das Herz stehen bleiben, um dann wie Wild zu schlagen, als würde es vor dem Unvermeidlichen flüchten: „Weshalb? Weshalb wollen sie mich töten, ich habe ihnen nichts getan?!", presste er hervor. Die Furcht begann ihm die Kehle zuzuschnüren.

„Sie haben etwas gefunden, etwas, was nicht gefunden werden darf, jetzt noch nicht, es ist zu früh", erklärte der Fremde mit seiner unheimlichen kalten Stimme, „sie hätten diese Grotte nie betreten dürfen Professor West, wären sie in Bagdad geblieben hätte ich nur diesen Muhammad und den Ziegenhirten beseitigt." Der Hüne hielt einen Moment inne, dann zeigte er zum ersten Mal Emotionen, als er einen Fluch ausstieß: „Verdammt, das hätte ich gleich nach der Entdeckung der Grotte machen sollen, dann hätten sie nie von ihrer Existenz erfahren und ich müsste sie nun nicht töten. Dummer Fehler, dem Großmeister wird das sicher nicht gefallen."

Welcher Großmeister? schoss West ein Gedanke durch den Kopf, was zum Teufel wird hier gespielt. Er wusste, dass er auf diese Frage nie eine Antwort bekommt, für ihn war sicher das er diese Grotte nicht lebend verlassen wird. Als diese Erkenntnis über ihm kam, wurde er etwas ruhiger, er gab sich seinem Schicksal hin. Er konnte nur hoffen, dass es schnell und schmerzlos ging.

Der Fremde griff unter seinen Umhang. Dabei fiel Wests Blick auf ein seltsames Tattoo auf der Innenseite des rechten Unterarmes.

Er hatte ein ähnliches Zeichen schon mal gesehen, erst vor Kurzem, es befand sich auf diesem mysteriösen Amulett. Was ging hier vor sich? Ein geheimnisvoller Mann mit einem nicht minder rätselhaften Tattoo am Arm, der von einem Großmeister sprach. Gehörte er einer geheimen Bruderschaft an? Wenn ja, was wollten sie ausgerechnet von ihm. West wünschte sich dem Tod entrinnen zu können, um dieses Rätsel zu lösen, doch der dunkle Gesell hatte kein Erbarmen mit ihm, er hatte beschlossen das West hier und jetzt sein Ende findet, Schluss, aus, basta. Der Fremde richtete den Lauf einer seltsamen Waffe auf ihn, sie sah irgendwie futuristisch aus. Ein gleißendes Licht blendete ihn, instinktiv hob er die Hände. Das war das Letzte was er in seinen Leben tat, den Nanosekunden später war Gregory West nicht mehr, er hatte sich in Luft aufgelöst, so als hätte er nie existiert. Die Gestalt steckte ihre Waffe weg und warf kurz einen Blick auf das Medaillon, das West hat fallen lassen. Dort wo es jetzt lag, sollte es bleiben, mindestens für die nächsten dreihundert Jahre. Er machte kehrt, zwängte sich durch das Loch ins Freie. Dort war keine Spur von Muhammad und den beiden Trekkingrucksäcken zu finden, auch sie waren verschwunden. Der Unbekannte schritt den Geröllhaufen hinab und folgte den Pfad hinunter ins Tal. Nach einigen Schritten blieb er stehen, warf seinen Umhang zurück und zog erneut seine Waffe, zielte auf einen Felsen direkt über dem Loch. Ein feuriger Strahl löste sich aus dem Lauf der Waffe und schlug in dem Felsen ein. Es krachte und knirschte, dann brach der Felsen aus der Wand und fiel genau vor das Loch, die Grotte war versiegelt, das Geheimnis bewahrt. Er hatte seinen Auftrag zum größten Teil erledigt, noch eins war übrig, der Ziegenhirte, auch er musste verschwinden. Bei Anbruch der Nacht wird er ins Dorf gehen, um auch das zu erledigen.

Am 4. März 2004 verschwanden im kleinen Dorf Nukhayb in der Nähe der Grenze zwischen dem Irak und Syrien drei Menschen unter mysteriösen Umständen, was dort geschah, wurde nie geklärt.

Star Legends Band 1 - Himmelfahrtskommando

ISBN: 978-3-8334-3288-0

Preis: 20:95 €

http://starlegends.jimdo.com


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