Sexuelle Attraktivität von Menschen und Katzen
Alt werden, ohne alt auszusehen
Ein Fünfzigjähriger kann bei der Gestaltung seines Äußeren noch so viel Aufwand treiben und viel Geld für Kosmetika ausgeben, für eine Zwanzigjährige bleibt er alt und sexuell unattraktiv.
Was spricht dagegen, dass ein Mensch so alt aussieht, wie er tatsächlich ist, zumal es aus der Sicht der Natur sogar sehr sinnvoll erscheint, dass der Prozess des Alterns beim Menschen äußerlich erkennbar ist? Das führt nämlich dazu, dass sich gerade die Menschen attraktiv finden, die auch altersmäßig zueinanderpassen. Ein Fünfzigjähriger mag zwar trotzdem eine Zwanzigjährige anziehend finden, aber in ihren Augen dürfte er für gewöhnlich kaum attraktiv sein.
Es scheint ein Zusammenhang zwischen der sexuellen Attraktivität eines Lebewesens und der für die Aufzucht der Nachkommenschaft erforderlichen Zeit zu bestehen.
Rufen wir uns ins Bewusstsein, dass auch die Existenz des Menschen nicht Selbstzweck ist, sondern dem Prinzip der Natur gehorcht, das auf Erhaltung des Lebens zielt. Erhalten lässt sich Leben dann am besten, wenn die Einzelwesen gut an die Lebensumstände angepasst sind. Daraus ergibt sich als Aufgabe für Eltern, die nachfolgende Generation mit allem zu versorgen, was eine gute Anpassung und zugleich das Überleben ermöglicht. Damit Eltern diese Aufgabe noch vor Ablauf ihres eigenen Lebens erfüllen können, sollten sie ein Höchstalter nicht überschreiten. Ziehen wir von der statistischen Lebenserwartung eines Lebewesens die für die Aufzucht der Nachkommenschaft erforderliche Zeit ab, erhalten wir das statistische Höchstalter für Nachwuchs. Mit diesem Erfahrungssatz lässt sich recht anschaulich erklären, warum manche Lebewesen sogar in relativ hohem Alter noch jung aussehen und sich fortpflanzen können, während bei anderen, wie den Menschen, auf eine lange Entwicklungszeit und eine relativ kurze Phase der Fortpflanzungsfähigkeit eine längere Zeit des Alterns folgt. Der Alterungsprozess erweist sich letztlich als ein Schutz der Nachkommenschaft vor einem zu frühen Tod der Eltern.
Weil Kätzchen sehr schnell zu Katzen heranreifen, kann eine Katze auch noch in hohem Katzenalter Junge bekommen. Für die Kleinen besteht trotzdem keine große Gefahr, ohne mütterliche Betreuung aufwachsen zu müssen. Von den Katern wird ohnehin nur erwartet, dass sie stark genug sind, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen, denn sie sind lediglich für den Zeugungsakt erforderlich. Selbst wenn sie anschließend vor Erschöpfung tot umfielen, wäre das für den Nachwuchs nicht von Nachteil, weil die Aufzucht allein den Katzenmüttern obliegt. Da Katzen also einen Großteil ihres Lebens in der Lage sind, Nachwuchs in die Welt zu setzen und anschließend auch noch großzuziehen, bleiben sie für das andere Geschlecht auch lange sexuell attraktiv. Bei erwachsenen Katzen ist der Alterungsprozess viele Jahre hindurch äußerlich nicht wahrzunehmen.
Bei Menschen sieht es völlig anders aus. Sie sollten möglichst früh Kinder bekommen, damit sie ihre Aufgabe als Eltern erfüllen und ihren Nachwuchs trotz relativ langer Entwicklungszeit versorgen können. Für gewöhnlich wird daher eine junge Frau, die Mutter werden will, einen Mann suchen, der altersmäßig zu ihr passt und mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende der Entwicklungszeit ihrer gemeinsamen Kinder erlebt.
Wolf-Gero Bajohr
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