Weit in der Vergangenheit.
Es war die Zeit noch vor den großen Erdbeben, als die Kontinente noch vereint waren und eine riesige Landmasse bildeten. Eine Zeit der Wilden und des Überlebens
Leichte Wellen rollten gegen die Küste, die heute zu Griechenland gehört, und deren einzige Bewohner zu dieser Zeit ein paar primitive Wilde waren, die noch am Anfang der Evolution standen. So bemerkte niemand die Gestalt, die sich mit ihren letzten Kräften an das rettende Über schleppte und dort erschöpft liegen blieb.
Rimares hatte es geschafft. So weit er es noch beurteilen konnte war er mehr als zwei Monate auf dem Meer dahingetrieben und hätte eigentlich längst unter den Toten weilen müssen, doch sogar die gefährlichsten Raubtiere schienen ihn zu meiden und machten einen großen Bogen um die bleiche, ausgemergelte Gestalt.
Würde ihn doch das Sonnenlicht nicht so zu schaffen machen.
Seine bleiche Haut hatte Blasen geworfen und war überall, wo die Kleidung abgefallen war, stark gerötet.
Mit aller letzter Kraft schleppte er sich den Strand hinauf und legte sich unter einen Baum in den Schatten, wo er in eine tiefe Bewusstlosigkeit viel.
1582...Deutschland
Nur einmal in zehntausend Jahren passiert es, dass ein Mensch im Übergang zu einem anderen Dasein, dem Leben als Vampirs, Herr seiner Seele bleibt. Rimares dachte an all die Qualen, die er hatte durchstehen müssen, das Wissen ein Monster zu sein und trotzdem seine Menschlichkeit behalten zu haben. Die Gewissensbisse, die ihn plagten, wenn er ein Leben auslöschte oder zu einem der Seinen machte. Nicht oft hatte er einen Menschen dazu verdammt so zu werden wie er, aber all die Jahrhunderte allein zu reisen hatten ihn einsam werden lassen und irgendwann hatte er sich einen Begleiter geschaffen. Ein seelenloses Monster das er am Ende hatte vernichten müssen.
Doch heute war der Tag...Zehntausend Jahre waren vergangen und die Sterne standen in der richtigen Konstellation.
Er schaute auf die leblose Frau, die vor ihm auf dem Boden seiner Behausung lag. Ihre langen, roten Haare lagen wie ein Feuerteppich auf dem kalten Steinboden und ihr schlaffer, lebloser Körper ruhte.
Nicht mehr lange und sie würde ein neues Leben beginnen. Das Leben eines Vampirs.
Doch es würde anderes sein, denn sie würde ihre Seele und all ihre Magie behalten. Viele Wochen hatte er sie schon beobachtet und sie bewundert. Er spürte ihre Kraft, eine Kraft die der seinen nahekam, denn sie war eine Erbin der alten Macht und trug das alte Wissen in sich.
Damals auf Atlantis waren sie ein Orden von Heilerinnen gewesen, die sich mit der Natur vereint hatten, doch der Orden war mit Atlantis untergegangen, aber der Erbe und das Wissen war irgendwie immer weitergegeben worden. Bis heute....
Plötzlich lief ein Zucken durch den schlanken Mädchenkörper und sie öffnete ihre Augen. Ihre Blicke trafen sich und ihr Lächeln entblößte ihre scharfen, spitzen Zähne. Bereitwillig hielt er ihr sein Handgelenk hin und spürte wie sich ihre Zähne schmerzvoll in sein Fleisch bohrten. Rimares schloss seine Augen und gab sich dem wonnigen Gefühl des Schmerzes hin, bis sie aufhörte zu saugen und er seine Augen wieder öffnete. Der Keim war gesät, der Keim für eine unsterbliche Liebe...
Die Gegenwart...
Rimares schlich durch die Gassen Sohos wie ein unheilverkündender Schatten, wie ein Überbringer von Tod und verderben...
Es war kurz vor Mitternacht und nur wenige Menschen hielten sich um diese Zeit in der Gegend auf. Und die, die ihn sahen machten einen großen Bogen um die ganz in Schwarz gekleidete Gestalt, senkten ihre Blicke oder tuschelten miteinander. Er schritt an einer Neonreklame vorbei, die halb aus ihrer Verankerung gerissen war und deren Licht sich auf der nassen, nächtlichen Straße spiegelte. Die Scheinwerfer eines Taxis huschten über seine Gestalt, aber dort wo ihn das Licht berührte wurde es von Dunkelheit verschluckt. Eine Dunkelheit, viel älter als die Menschheit und dunkler wie dir dunkelste Nacht.
Er wandte sich nach links in eine Sackgasse, die vor einem alten Gusseisernen Tor endete, dass den Weg auf eine weiter Gasse versperrte. Rimares sah sich nach allen Seiten um, bevor seine rechte Hand ausstreckte und das Tor mit einer einzigen wütenden Bewegung aus seiner Halterung riß. Der Wag war nun frei und endete an einer massiven Stahltür, die er mit einem Tritt aus dem Rahmen sprengte.
Den Krach, den er verursachte würde in dieser Gegend niemanden interessieren...
Ohne anzuhalten betrat er das dunkle Innere des Gebäudes und spürte den Angreifer schon bevor er ihn sah. Fauchend drehte sich der Vampir dem Eindringling zu, doch ein einziger Schlag reichte aus um die Untaten den Kopf von den Schultern zu fegen. Nur etwas Staub rieselte zu Boden und wurde durch den Luftzug der offenen, zerstörten Tür verweht.
Rimares trat weiter durch die Dunkelheit, bis er an eine weitere kam, diesmal eine einfache Holztür.
Er schloss seine Augen und ließ seine Vampirchen Sinne den Raum dahinter sondieren.
Kein weiterer Ausgang...vier weitere Vampire...und ein zu tote verängstigtes junges Mädchen.
Rimares stieß ein enttäuschtes Fauchen aus, bevor er sein Schwert unter seinem Mantel hervorholte und einfach durch die Türe ging, so als wäre sie gar nicht vorhanden.
Das berstende Geräusch schreckte die Vampire auf und sie ließen von dem Mädchen ab, das nackt auf einen Tisch gefesselt war und an mehreren Stellen blutete.
„Wer bist du?" fragte einer der Vampire.
„Wo ist euer Meister?" sagte Ramires ohne auf die Frage zu reagieren.
„Er ist nicht hier. Und wird auch nicht wiederkommen. Ronald, Zeige dem Fremden wo die Türe ist oder schick ihn zur Hölle."
Der Redner gab einem der Männer im Raum einen Wink, der sich mit gebleckten Zähnen Rimares näherte.
Rimares, der seine Vampiriche Aura bis dahin verborgen hatte ließ seine Tarnung fallen, ginge auf den Vampir zu, nahm seinen Kopf zwischen die Hände und riß ihn in einer einigen Bewegung von seinen Körper.
Bevor die anderen überhaupt reagieren konnten wurde ein weiterer in der Mitte durchtrennt und verwandelte sich ebenfalls in Staub.
Der dritte Vampir sprang über den Tisch mit dem nackten Mädchen und zog ein Messer. Rimares packte sein Handgelenk und in einer einzigen fließenden Bewegung stieß er dem Angreifer das Messer zwischen seine Augen. Sein Schwert beschrieb einen Kreis und trennte dem Vampir den Kopf von den Schultern... Staub.
Der letzte Überlebende wollte sich in Sicherheit bringen und rannte in Richtung der Türe, aber als das Schwert seine Beine unterhalb der Gürtellinie abtrennte stürzte dieser zu Boden.
Rimares kniete sich neben den gestürzten.
„So, wo ist Dein Meister?" fragte er schneidert.
„Ich weiß es nicht! Er ist weit weg, er sucht irgendetwas und will es sich holen..." wimmerte der Vampir.
Rimares sondierte die Gedanken des Vampirs und sah Lordrige mit drei weiteren Vampiren des Nachts eine Yacht betreten und in See stechen. Der Vollmond spiegelte sich auf der Oberfläche der Themse. Vor drei Tagen war Vollmond gewesen...Lordrigte hatte also drei Tage Vorsprung!
Ein Gedankenbefehl reichte aus und der Vampir erlosch...
Von den vier Vampiren blieben nur Staub und das Mädchen auf dem Tisch zurück, dass ihn mit Schreckensweiten Augen die ganze Zeit beobachtet hatte. Der Vampirkeim war bereits gesät.
Er beugte sich zu ihr herunter.
„Es tut mir leid..." flüsterte er ihr ins Ohr, dann brach er ihr das Genick.
Rimares war danach wieder zu seinem Versteck zurückgekehrt, einem Keller unterhalb einer verlassenen Villa, außerhalb Londons. Er stand über einer Weltkarte gebeugt und fuhr mit seinem Finger über eine Stelle mitten im Meer...
Vergangenheit 1582...
Rimares hatte sich im Schneidersitz auf seinem Sarg niedergelassen und beobachtete die Vampir-Hexe wie sie sich ihrer neuen Umgebung gewahr wurde.
Die kahlen Wände der Behausung und die karge Einrichtung schienen ihr nicht zu behagen, doch der Vampir wusste, dass sie sich irgendwann daran gewöhnen würde.
Noch immer hing sein Blut an ihren Lippen und der Anblick weckte seinen Vampirichen Hunger in ihm, dem Hunger auf das Blut der Lebenden, ihren Lebenssaft.
„Wer seid ihr?" fragte die Hexe.
„Rimares." Sagte er und schritt auf sie zu um ihr durch die roten, langen Haare zu fahren.
„Auf was für einen Namen hörtet ihr als sterbliches Wesen?" fragte er
„Elenor Braken." Sagte sie.
„Wie gefällt dir der Name Caseupeya?"
Die Vampirhexe schaute ihn an und nickte.
„So soll es sein!" rief Rimares und zusammen verließen sie ihre Behausung um auf die Jagt zu gehen.
Es war dasselbe Dorf, in der Caseupeya ihre Kindheit verbracht, aufgewachsen und von Rimares zu einer Unsterblichen gemacht worden war. Es schien wie ausgestorben und das Verschwinden der angeblichen Hexe hatte seine Bewohner sich in ihren Hütten verkriechen lassen.
Nur in einer der Hütten brannte noch Licht und auf einem am Boden ausgebreiteten Fell lagen zwei nackte, eng umschlungene Körper, auf denen sich die wilden Flammen des Kamins spiegelten.
Ein leises Stöhnen entrang sich der aus der Kehle der Frau, als der Mann seine Lippen von ihrem Mund löste. Langsam ließ er seine Zunge über ihren Hals gleiten und hinterließ eine feuchte Spur, die sich immer weiter hinab bis zu ihren Brüsten fortsetzte.
„Mmh" stöhnte die Frau, als er Lustvoll ihre Knospen mit seinen Lippen umschloss. Doch bald darauf versteifte sich ihr Körper und der Mann schaute verwundert auf.
„Was ist los?" fragte er und folgte dem entsetzten Blick seiner Geliebten.
Sein Blick fiel auf zwei Gestalten, die wie Geister im Raum standen und die beiden lüstern ansahen. Das Liebespaar sprang auf.
Rimares starrte auf die Blöße der nackten Körper und ein tiefes Verlangen nach Blut fraß sich durch seine Eingeweide, er konnte das in Wallung geratene Blut als tosen in seinen Ohren vernehmen.
„Wähle..." rief er Caseupeya zu und zeigte mit der ausgestreckten Hand auf die beiden Opfer, die erstarrt da standen und versuchten ihre Blößen zu verdecken, doch die Magie Ramires's hatte sie gefügig gemacht.
Der Vampir lächelte den beiden zu, als sie sich in Bewegung setzte und auf die Frau zuging. Kurz vor ihrem zitternden Körper blieb sie stehen, betrachtete ihre weiblichen Reize und streichelte langsam mit der rechten Hand über ihre Brust, glitt dann hinter ihren Rücken und zog sie zu sich heran.
Ihre Lippen fanden sich und lösten einen leidenschaftlich Kuss aus, doch dann wanderten die Lippen der Vampirin über den Hals des Mädchens und als sie ihre Zähne in das weiche Fleisch schlug ließ ihr Opfer sie gewähren.
Auch Rimares machte sich über sein Opfer her und eine halbe Stunde später zeugten nur noch zwei Leichen von der Tat der Vampire.
Die Gegenwart...
Rimares stand am Ufer der nächtlichen Themse und starrte hinüber zu einem einsam im Hafen liegenden Frachter. Nirgends brannte ein Licht, nirgends ein Zeichen von einem Lebewesen. Hier würde auch niemand auf einen Lebenden stoßen, denn das Schiff diente schon seit mehreren Jahren als Unterschlupf und Treffpunkt der hier ansässigen Vampire. Rimares richtete zum letzten mal das riesige Breitschwert auf seinem Rücken zurecht und sprang geschmeidig hinauf zu einer Strickleiter, die lose aus einem Bullauge hing.
Katzengleich glitt er in die Höhe, schwang sich durch die Öffnung und landete mitten im Treffpunkt der Vampire.
„Sieh an, Rimares, der Schlächter." rief ihm ein Glatzköpfiger Vampir auf einem alten, ausgeleierten Sofa zu, der eine riesige Narbe auf der Kopfhaut hatte. Zu seinen Seiten saßen zwei Frauen, denen der Lebenssaft aus einer Halswunde rann.
„Habe gehört, Du hast dich mit Lodrige angelegt. Naja, ihr beide habt Euch ja noch nie ausstehen können."
Im Hintergrund des Raumes horchten mehrere Personen auf und drehten sich der dargebotenen Szene zu. Eine Vampirin, die gerade an einem Glas frisch gezapften Blut nippe grinste Rimares zu, vergoss etwas von dem Blut und ließ es zwischen ihren Busen versickern.
„Painhead, halt deine Fresse. Ich suche Sneaker. Ich habe ihm ein Geschäft vorzuschlagen."
„Da bist Du hier falsch. Lordige hat ausdrücklich gesagt, dass wir dir nicht helfen sollen. Und wenn unser Kaiser etwas befiehlt ist es besser sich daran zu halten. Halt dich aus der Sache raus, Rimares."
Für Painhead schien die Sache beendet und er widmete sich wieder seiner Nahrung zu.
Rimares trat einen Schritt vor, packte Painhead an seiner Lederjacke und riss ihn wie eine Puppe in die Höhe.
„Höre mir mal genau zu, entweder sagst Du mir sofort wo ich Sneaker finde oder die Putzfrauen können Morgen deinen Staub auffegen." zischte der Vampir.
Nicht, dass der Raum jemals eine Putzfrau, geschweige denn einen Besen gesehen hätte.
„Nicht nötig, Ramires. Lass den Armen runter."
Rimares warf den Vampir über das Sofa, der schwer auf den Boden krachte.
Er drehte sich in die Richtung des Neuankömmlings und erstarrte.
„Du?" flüsterte er.
„Ja, ich. Was willst Du von Sneaker?"
Rimares starrte auf die Rothaarige Frau, die ihn mit ihren glühenden, grünen Augen boshaft anstarrte. Sie war komplett in blutrotes Leder gekleidet, dass wie eine zweite Haut an ihrem Körper zu haften schien.
„Das werde ich ihm selber sagen."
Sie schnalzte mit der Zunge.
„Du bist ganzschön dreist geworden, mein Freund. Aber ich will mal nicht so sein. Sneaker ist unten, die Türe durch, Treppe runter und dann immer links halten."
Die Rothaarige trat einen Schritt zur Seite und Rimares's Blick fiel auf eine kleine Türe, hinter der es tiefer in das Schiff ging.
Er nickte der Frau zu uns setzte sich in Bewegung.
Als er direkt neben ihr stand ergriff sie plötzlich seinen Arm und zog ihn zu sich.
„Vergiss die alten Zeiten nicht..." flüsterte sie ihm in Ohr.
Der Vampir schaute ihr in die Augen und für einen kurzen Moment huschte ein schwermütiger Ausdruck durch seine Gesichtszüge. Dann riss er sich von ihr los und ging in die Tiefe.
Die Frau warf ihm ein Lachen hinterher, bevor sie ihm folgte.
Kommentare
WOHOO!!! Wann kommt der
WOHOO!!! Wann kommt der dritte Teil???