Die Nacht war kalt, so bitter kalt, tief und dunkel. Der blasse Vollmond warf sein Licht auf die anrollenden Wellen die sich an der Steilküste der Englische White Cliffs brachen und wie Blutfontänen in die Höhe schossen. Der Saft des Lebens.
Rimares starrte mit zusammengekniffen Augen auf das Meer hinaus und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„NEIN!" schrie er in die Nacht hinaus und aus seinen kalten, schwarzen Augen rann eine einzelne blutige Träne und versickerte in seinem Oberlippenbart. Seine schwarzen Haare wurden, wie sein ebenfalls schwarzer Mantel, vom kalten Nachtwind gebeutelt, doch er spürte weder Kälte noch die feuchte Luft. Nur den kalten Haß auf seine Feinde, die ihm das Liebste genommen hatten was ihm in seinem, nun schon fast ewig dauernden Leben geblieben war.
Er öffnete reine rechte Hand und schaute auf die kleine, goldene Brosche, mit einem eingravierten Pentagramm. Ein Fingerdruck genügte und sie sprang auf. Sein Blick fiel auf das Antlitz einer wunderschönen Frau, die ihn mit warmen und mitfühlenden Augen ansah.
Sein ganzer Körper schien sich zu verkrampfen, als er seine Faust schloß, ausholte und die Brosche in einem hohen Bogen in die Wilden Fluten warf. Eine goldene Bahn hinter sich herziehend verschwand sie unter Wasser und ein verzweifelter Schrei des mächtigsten Vampirs dieser Welt folgte ihr.
1. Wie alles begann.
Die Vergangenheit...
... Der Boden war Blutdurchdrängt und ein kalter Wind fegte über das Schlachtfeld, so als würden die Seelen der Verstorbenen einen letzten Blick auf ihren Todesort werfen wollen. Standarten lagen zerschmettert im zertrampelten Erdreich, Fahnen waren blutdurchdrungen und schon ließen sich die ersten Raben auf den Boden nieder um ein unheilvolles Werk zu beginnen.
Doch nicht alle Körper, die in diesem Schauspiel des Todes mitgespielt hatten, hatten ihr Ende gefunden, sondern einige wenige spürten noch immer einen Funken leben in sich, der jedoch jeden Moment verlöschen konnte um der Dunkelheit des Todes Eintritt zu gewähren.
Die Schreie und der Kampflärm waren längst verklungen und nur noch die Geräusche des Sterbens waren geblieben.
Eine seltsame Stille lag über der Ebene die im Norden von einer hoch in den Himmel reichenden Gebirgskette umschlossen wurde und in deren Süden sich ein ewiges Meer erstreckte. Im Osten jedoch folgte ein weiter dichter Wald, der beinahe undurchdringlich schien. Ein Hort voller Gefahren und tödlicher Fallen indem wohl alles Mögliche leben oder existieren mochte.
Nur ein einzelner Mann schien das Gemetzel überlebt zu haben. Der kalte Wind wehte ihm seine schwarzen, langen Haare ins Gesicht, als er sich mühsam an einem Speer in die Höhe stemmte. Seine dunkle Lederkleidung war Blutdruchträngt und hing nur noch als Fetzen an seinem Körper, der von zahlreichen Schlachten gezeichnet war. Sein Blick richtete sich nach Osten, in Richtung des Waldes, wo plötzlich ein Schwarm Raben aufstob und über die Ebene hinwegflog. Irgendetwas mußte die Tiere in ihrer Ruhe gestört haben.
Angestrengt starrte er auf das dichte Gehölz und entdeckte schon bald die erste Bewegung. Sein Körper spannte sich und ein verzweifelter Ausdruck schlich über sein Gesicht.
„Oh nein, sie sind gekommen!", rief er in Wind und sah sich um, blickte auf die Verwundeten und Schloß seine Augen.
Plötzlich traten Hunderte von Gestalten aus dem Wald und schwärmten in übermenschlicher Geschwindigkeit über die Ebene. In jedem Krieger, in dem noch etwas Leben glomm verharrten sie, nahmen ihm seinen Lebenssaft und beraubten ihn um seine unsterbliche Seele. Sie waren die Vampire von Atlantis, geführt von einem Wesen, dass sich selber der Kaiser der Vampire nannte.
Der letzte Überlebende der Schlacht sah die Wesen immer näher kommen und ging Schritt für Schritt in Richtung Meer. Er wußte, dass er seinen gefallenen Kameraden nicht mehr helfen konnte. Nur sich selbst !
Fast hatte er das Meer erreicht und wollte sich in die Fluten stürzen, doch dann verfing sich sein Bein im Schwert eines Gefallenen und er schlug der Länge nach auf den Boden. Ein stechender Schmerz durchdrang seinen Schädel und für einen winzigen Moment verlor er das Bewußtsein.
Dankbar ergriff er die helfende Hand, die sich ihm anbot und schaute dankbar zu seinem Retter hinauf. Alles Blut in seinem Körper schien zu gefrieren, denn er sah in das Antlitz des Vampirkaisers, der seine Zähne mit einem Ruck in den Hals seines Opfers bohrte und gierig saugte.
Plötzlich bebte die Erde und ein Furchtbarer Schlag traf die beiden Männer. Die Gebirgskette schien auf einmal in Flammen. Ein Ohrenbeteubender Donner rollte über den Kontinent und eine Explosion ließ ihn auseinanderspringen. Opfer und Täter starrten auf die Verwüstung und das letzte was beide noch wahrnahmen war ein unendlich heller Blitz und dann nichts mehr...
31. Oktober, 1582 - Deutschland in der Nähe Kölns
Die Nacht war hereingebrochen und der Mond beschien das kleine Dörfchen, dass sich in der Nähe der Stadt Köln angesiedelt hatte. Hier übernachteten die Reisenden, die nicht mehr rechtzeitig die Stadt erreicht hatten und die Tore verschlossen vorfanden. Das Wirtshaus bot jedem Reisenden eine sichere Bleibe. Waren es nun Arbeitssuchende oder Händler, die ihr Glück in der Stadt am Rhein versuchen wollten.
Der Vollmond schien in die ruhigen Gassen und schuf eine friedliche Atmosphäre. Eine Katze huschte durch die nacht und verschwand in einer Türe, die zu einem kleinen Haus gehörte, das sich direkt am Dorfeingang niedergelassen hatte.
„Hallo, da bist Du ja..." sagte eine Frauenstimme.
„Hast du dir dein Abendessen geholt?"
Eine etwa 20 jährige Frau streichelte zärtlich das Fell der rostroten Katze und schaute sie liebevoll mit ihren grünen Augen an. Ihr Gesicht wurde von langen, roten Haaren umrahmt, die sich wie ein Bach aus Feuer auf ihre Schultern legten. Die Katze strich schnurrend um ihre Beine und ließ sich dann neben einem Ofen nieder und beobachtete ihre Herrin, wie sie einige Kräuter in eine Schale gab und diese mit einem Mörser zerstampfe, und dann entzündete. Ein beteubender Duft von verschiedenen Kräutern machte sich in dem kleinen Raum bemerkbar und kleine Dampfschwanden schwängerten die Luft.
Draußen kläffte ein Hund und verstummte dann plötzlich von einer Sekunde zu anderen.
Die Katze richtete sich auf und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Ein tiefes Knurren entrann sich ihrer Kehle, als sich die zum Fenster wandte und in die Nacht herausschaute. Aber trotz des Vollmondes konnte sie nichts entdecken. Nur Finsternis...war dar nicht ein Schatten gewesen? Mit einemmal schlug ihr Herz schneller und die Ahnung von Gefahr wurde übermächtig!
Mit einem Fauchen verschwand die Katze hinter den Ofen und beobachtete ihre Herrin, die ein paar Schritte vom Fenster weggetreten war, durch einen kleinen Spalt. Draußen war es totenstill.
Die Frau entfernte sich immer weiter vom Fenster, bis sie ihren Tisch in ihrem Rücken spürte, drehte sich herum und griff nach ihrem Athalme. Der schwarze Griff lag gut in ihrer Hand und gab ihr ein leichtes Gefühl trügerischer Sicherheit
Leise murmelte sie ein Gebet, als plötzlich das Fenster zerbarst und ein eiskalter Wind in das Zimmer fauchte. Der Rauch, der noch immer aus der Schale stieg zerstob und die Kräuter wurden am Boden verteilt.
„Warum so ängstlich?" fragte eine dunkle, angenehme Stimme hinter ihrem Rücken.
Mit einem spitzen Schrei fuhr sie herum und blickte auf einen Mann, der ganz in schwarz gekleidet war und dessen, ebenfalls Schwarze Haare vom Wind gebeutelt wurden. Zwei dunkle, unendlich tief blickende Augen schauten sie an und jegliche Angst wurde von einem Gefühl von Schwerelosigkeit abgelöst. Ein angenehmer Zustand machte sich in ihrem Magen bereit und ihr wurde mit einemmal ganz warm.
„Ich bin Rimares." Sagte der Mann und trat auf die Frau zu, legte seinen Arm um ihre Schulter und zog sie zu einem leidenschaftlichen Kuß zu sich heran. Ein Verlangen und eine Glut machte sich in ihr breit, wie sie es noch nie erlebt hatte und sie befürchtete in Ohnmacht zufallen, den Moment zu verlieren, doch dann lösten sich seine Lippen von ihrem Mund und er schaute ihr tief in die Augen. Ihr Wille brach. Nur noch ein Gedanke zählte: Sie mußte sich diesem Mann mit ihrer ganzen Seele und ihrem Körper hingeben.
Plötzlich spürte sie, wie sich seine Lippen auf ihren Hals legten und seine Zunge über ihre Haut kroch. Zärtlich küßte er ihr Ohrläppchen und sie drückte sich fest an seinen geschmeidigen Körper, spürte seine Muskeln und wurde von einem Feuerwerk von Gefühlen empfangen. Seine Lippen wanderten wieder an ihrem Hals entlang und legten sich direkt über die Stelle, wo ihre Halsschlagader wie verrückt am pochen war.
Sie Spürte seine Hand an einer Stelle, wo sie noch nie ein Mann berührt hatte, aber sie ließ sich gehen, wollte mehr!
Plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz durch ihren Hals rasen und ihr Körper versteifte sich. Doch der Schmerz schwand und verwandelte sich in eine nie erlebte Ekstase. Sie schien regelrecht in ihrem Inneren zu explodieren und kurz darauf schwanden ihr die Sinne.
Rimares leckte auch den letzten Blutstropfen von ihrem Hals, nahm sie behutsam in seine Arme und trug sie aus dem Haus. Irgendetwas rutschte aus ihrer Bluse und sein Blick viel auf eine goldene Brosche, auf der ein Pentagramm gezeichnet war.
Lachend schaute er zu den Männern, die sich aus Richtung Dorfmitte näherten.
Sie waren mit Fackeln und Mistgabeln bewaffnet. Allen voran ging ein Geistlicher, der unentwegt aus der Bibel vorlas.
„Nein", murmelte der Vampir, " Ihr kommt zu spät. Diese Hexe verbrennt ihr nicht!"
Die Männer würden nur eine verängstigte Katze vorfinden. Und ein verlassenes Haus...
Gegenwart....
Rimares schaute noch immer auf die Oberfläche des Meeres als er Schritte vernahm die sich ihm von Hinten näherten. Langsam und mit hängenden Schultern drehte er sich um und blickte auf einen Mann mit kurzen weißen Haaren, der ihn hähmich anlächelte. In seiner Begleitung hatte er zwei dunkelhaarige Frauen, die sich an ihn schmiegten.
„Was wollt ihr noch von mir, Lordrige?" fragte Rimares.
Der Mann lachte.
„Was ich will fragt er! Was will ich wohl noch? Euren Tot natürlich !"
Rimares breitete seine Arme aus und schaute ihm ins Gesicht.
„Hier, tötet mich. Ihr habt mir alles genommen woran ich geglaubt habe. Erst nahmt ihr mir mein Leben und vergiftet meine Seele. Nun habt ihr mir auch noch das liebste geraubt, was meinem Leben einen Sinn gegeben hat. Ihr könnt mich töten. Ich wehre mich nicht. Kommt, So viele Jahrtausende habt Ihr auf diesen Augenblick gewartet. Nun habt Ihr die Möglichkeit alles zu beenden."
Lordige rieb sich sein Kinn und schaute seinen Widersacher ins Gesicht.
„Ja, ich könnte Euch töten, Eure erbärmliche Existenz beenden, doch was dann. Die Menschen sind schwach, was bliebe mir dann noch für ein Abenteuer? Nein, ich habe Euch bereits vernichtet. Ihr seid geschlagen Aber was hätte ich davon. ICH habe EUCH erschaffen und ICH werde bestimmen wann EURE Existenz endet!"
Die letzten Worte hatte er geschrien und nun senkte er seine Stimme bis auf ein Flüstern.
„Nein, ich will Euch leiden sehen. Ich will sehen wie Ihr im Dreck kriecht, wie Ihr um den Tot bettelt, den nur ich Euch geben kann. Ihr seid verdammt. Verdammt bis in alle Ewigkeit."
Rimares hatte seine Hände sinken gelassen und zog nun ein Schwert hinter seinem Rücken hervor. Eine kaum sichtbare Bewegung ließ es auf Lordige fliegen, doch dieser riß blitzschnell einer seiner Begleiterinnen vor sich und blockte das Schwert mit ihr ab. Es durchtrennte ihren weichen Hals, ihre Arterien, ihre Muskeln und ließ sie röchelnd zu Boden sinken. Dunkles Blut sickerte in den Boden.
„Schade, ich hätte sie noch gebraucht."
Lachend wandte er sich ab und ließ einen gedemütigten Rimares zurück. Kurz darauf war er im Nebel verschwunden.
„Ich werde Dich vernichten! Ich werde dir alles nehmen was dir Lieb ist. Ich werde dir Deine Macht nehmen. Und wenn Du nichts mehr hast außer deinem elendigen, werde ich es aus dir herauspressen. Bei Lucina, der Göttin meiner Frau, ich schwöre es! "
Ende des ersten Teils
Kommentare
mindestens genauso gut wie
mindestens genauso gut wie der zweite teil den ich vorgestern gelesen habe
Sehr ausdrucksvoll
Sehr ausdrucksvoll geschrieben, vor allem die Szene mit der Hexe. Gibt es davon noch mehr zu lesen ?
Danke ;-) Zu der Geschichte
Danke ;-)
Zu der Geschichte gibt es einen 2. Teil. Dieser muss jedoch noch überarbeitet werden.
Kommt aber noch...
Janaros