Entführung hoch wau!
Ich gähnte herzhaft. Plötzlich ertönte ein Pfiff. Ich zuckte zusammen. Schon sprang ich auf alle Viere, doch zu spät. Meine Geschwister stürmten an mir vorbei. Ich hetzte hinterher. Als sie am Zaun ankamen, drosselte ich das Tempo. Enttäuscht ließ ich den Kopf hängen und trottete zu den Besuchern. Vorher aber warf ich Mama noch einen Blick über die Schulter zu. Diese schlummerte friedlich. Stöhnend stoppte ich in geringem Abstand vor dem Zaun. Neugierig beobachtete ich die Gruppe unbekannter Zweipfötchen. Da riss ich die Augen weit auf. Einer der Fremden hielt in der Hand... Futter! Augenblicklich drängelte ich mich nach vorne. Gierig riss ich dem Mädchen das Leckerbissen aus der Hand. In wenigen Sekunden war es verscchlungen, denn ich hatte gesehen, dass der Junge auch etwas hatte. Ich versuchte es ihm zu entreißen, aber er hielt es so hoch, dass ich es beim besten Willen nicht erreichen konnte. Ich leckte mir das Maul, setzte meinen hinreißendsten Hundeblick auf und ließ mich auf das Hinterteil fallen. Kaum schenkte der Junge mir Aufmerksamkeit, fing ich an kräftig mit dem Schwanz auf den Boden zu klopfen. Er hielt mir das Futter hin und ich... haps! Da war das Leckerbissen vor den Augen meiner hungrigen Geschwister in meinem Maul verschwunden. "Das ist unsere Dicke", sagte der Pfleger. Dicke! Was erlaubte sich dieser... dieser... dieser Dicke nur! Ich war ein statliches Labradorweibchen! Das weitere Gespräch beachtete ich nicht, da ein Typ mit Mama spielte. Also wirklich, nur ich durfte mit Mama spielen! Gerade wollte ich losstürmen, als ich in die Höhe gehoben wurde. Hilfe. Bevor ich mich versah wurde ich in ein hässliches Motorauto getragen und auf einen Schoss gedrückt. Hilfe Mama, ich werde entführt. Die Versuche mich zu befreien scheiterten. Mein Jaulen ging im Geräusch des Dings in der Motortaube unter. Die Landschaft flog an mir vorbei. Ich wurde entführt, das unsichtbare Band zwischen Mama und mir war gerissen, ich war völlig auf mich allein gestellt in einer fremden Umgebung, wo ich mich keineswegs auskannte.
Zweipfötchen oberschlau
Dann sagte die Frau, auf dessen Schoß ich saß:"Jetzt brauch unser Hund noch einen Namen." Was? Der musste man wohl noch Gehorsam beibringen. Einfach Besitz ausdrücken... und dann auch noch über mich! Ich weiß, wem ich gehöre: mir selbst!
Schrecklich, jetzt antwortete auch noch die Kleine von der Rückbank:" Bello! Bello!" Was? Ich bin... noch mal langsam für die Dummen, zu den gehörte dieses Kindlein ja: Ich... bin... eine...!!! "Aber Charlie, dass ist doch eine Hündin!", antwortete die Frau für mich. Aber... was! He, Alte, Manieren, Manieren! Erstens: Ich kann es überhaupt nicht ausstehen wenn man mich... unterbricht! Gut, es ist raus. Oh, und zweitens: Ich bin kein Ding, ich bin eine attraktive Hündin! Also, so heißt es richtig, und zwar nochmal für die Dummen wie du: Aber Charlie, sie ist doch eine Hündin! Und wenn man höfflich sein will setzt man zwischen eine und Hündin ein attraktive.
Dann sagte die kleine Göre hinten: "Sie mag mich mehr!" Darauf der andere das gleiche. Oh nein, ich bin im Irrenmotorauto gelandet! So ihr beiden Rotzgören, ich finde euch schrecklich bescheuert! Fertig.
Am Ende der Autofahrt nannten sie den Namen Fila. Wer auch immer dass ist, er kommt ganz bestimmt nicht auf dei Gästeliste der Party! Die dachten wohl, sie wären oberschlau!