Freiburg ,Sommer 2011 , Pressehauskantine :
Es ist für ihn nur ein Gesprächsthema um das langweilige Nebeneinander am Mittagstisch zu überbrücken .
„Das verdammte Sommerloch , jeden Tag müssen wir die Seiten füllen, auch wenn es nichts zu schreiben gibt... Ihr von der Nachrichtenredaktion habt ja die grosse weite Welt, aber was sollen wir von der Lokalredaktion schon schreiben?“
„Och, es gibt bestimmt eine nette Kindergarteneröffnung oder eine Rentnerwanderung, das ist doch spannend“ kommt es stichelnd zurück.
„ Sehr witzig, du A.......loch! , doch....... wenn schon nichts Interessantes geschieht müsste man mal in den Archiven wühlen, wozu werden denn bei uns tonnenweise Lokalgeschichte aufbewahrt ,wenn sie niemand braucht, niemand verwertet? Ja, genau .. das ist es......, ich geh nach der Mittagspause ins Archiv.“
„Oh... Hey Mann..viel Spaß,...... ich sage nur.......Staub zu Staub.....um nicht zusagen ,..... Asche zu Asche.“
Eigentlich sind diese alltäglichen, kleinen Sticheleien beim Mittagessen ganz normal und in der Regel bedeutungslos, doch heute ist daraus wie durch ein Wunder .....eine Idee geboren .
Er sagt zu sich : „Im Archiv befindet sich bestimmt der Stoff für Die Lokalstory des Sommers..., nein des ganzen Jahres natürlich“.
Glaubt er zwar selbst nicht wirklich daran, so ist es doch eine willkommene Abwechslung und... man kann ja nie wissen.
Im Keller des Pressehauses lagern tausende von Zeitungsausgaben. Die Neueren sind digitalisiert, die werden hin und wieder von den Redakteuren für Rechergen verwendet, aber alles was 25 Jahre und älter ist schläft den Schlaf des Vergessens und das schon seit Jahren, oder... Jahrzehnten.
So gilt es doch als viel zu umständlich all die Kataloge und Zettelkästen durchzusehen, eine gezielte Suche würde ein Menschenleben dauern, sagt man unter den Redakteuren.
Er selbst hat sich bisher auch nie für das Archiv interessiert, denn Lokalnachrichten sind meistens aktuell, aber vielleicht liegt ja hier der Schlüssel des Erfolges. Einfach ein möglichst altes, längst vergessenes Ereignis das bereits ein Anderer recherchiert hat ausgraben , und siehe da .....die Story ist geboren.
Das ist vielleicht nicht feine Journalistenart, aber abgeschrieben wird seit Jahrtausenden, denkt er bei sich ....Tradition der Gewissenlosigkeit.... folglich genau das Richtige für mich.
Die langen Regale mit den älteren Papierausgaben reichen zurück bis ins Jahr 1950. In diesem Jahr war die Zeitung begründet worden.
Wo soll er anfangen, wie schon gesagt, es ist nahezu unmöglich gezielt zu suchen. Er hat eine Idee, er läuft einfach 50 Schritte von Band 1 aus nach rechts, greift sich den direkt vor ihm stehenden Band und setzt sich an den nächsten Lesetisch. Eine Staubwolke erhebt sich in den Raum als er das große Buch öffnet. Es ist der Jahrgang 1981. „ Sehr gut,..das ist 29 Jahre her, wenn ich hier etwas finde wäre das alt genug um wieder neu zu sein.. genau richtig.“
Es dürfen natürlich nur Lokalereignisse sein, aber...... wo ist der Lokalteil bei diesen alten Ausgaben? Aha, hier ist es... . Ach sieh mal an Dr.Becker hat früher auch mal richtig gearbeitet, „ Einbruch in Gartenlaube, die Suche nach den Tätern läuft an. Hans Becker Lokalredaktion“ ja lang ist das her.... heute hat man den Eindruck der Herr Chefredakteur trägt nur schwer an seinem Glorienschein.
Eines wird jedenfalls deutlich, die Lokalnachrichten von damals waren genauso langweilig wie die von heute... wird die Hofbrücke saniert oder nicht... ,reicht die Anzahl Kindergartenplätze aus..., zu wenig Geld in der Stadtkasse, ja...verdammt .....das kann`s doch nicht gewesen sein. ..........Oh!.... was ist das?
„Förster macht einzigartigen Fund mitten im Wald.
Der Revierförster Wilfried L. aus Breitnau machte gestern einen einzigartigen Fund. Im Rahmen der Bekämpfung, der in diesem Jahr wieder besonders stark umgreifenden Tollwut, war sein Diensthund auf Fuchsbaue angesetzt und durchstöberte das Revier. Plötzlich war der Hund wie von Erdboden verschluckt, berichtet L.
Bald jedoch nahm L. ein deutliches Wimmern wahr, er folgte der Spur und fand seinen Hund in einem frisch eingebrochenen Riesenloch wieder welches offensichtlich vor langer Zeit mit Stämmen und Erde verschlossen worden war. Förster L. stieg hinein, um seinen glücklicherweise nur leicht verletzten Hund zu bergen.
Unerwartet fand er den Hund auf dem Dach eines stark verrosteten, jedoch vollständig erhaltenen, fast 70 Jahre alten LKW wieder. Sofort wurde das Automuseum in Mühlhausen (Elsass) informiert. Dr. Steinheimer der Kurator des Museums identifizierte das Fundstück als Merzedes- Benz LKW ,Typ L 6500, aus der Bauzeit zwischen 1939 und 1943 . Das Fahrzeug soll nach der Restaurierung in Mühlhausen ausgestellt werden.
Wie allerdings ein vollständiger ,historischer Lastwagen in ein Erdloch ( vielleicht einen alten Bombentrichter aus dem Weltkrieg) mitten im Wald kommt ist ungeklärt. Von Guido Landsknecht, Lokalredaktion "
„Das hier ist doch jetzt wirklich mal etwas außergewöhnliches.“ sagt er halblaut. Er macht sich mehrere Photokopien von der Seite und geht sofort an seinen Arbeitsplatz im 5.Stock des Pressehauses zurück. Eine seltsame Geschichte, wer vergräbt schon einen LKW im Wald. Wenn er das neu raus bringen könnte wäre das eine sehr gute Story, aber es muss ein aktueller Bezug her und überprüfen ist natürlich Ehrensache.
Der Autor des alten Artikels war schon lange nicht mehr in der Redaktion und es wusste auch niemand was aus ihm geworden war, so bleiben ihm noch der Förster aus Breitnau und natürlich das Automobilmuseum in Mühlhausen. Er entscheidet sich zuerst das Museum aufzusuchen, denn wenn die Angaben in dem Artikel richtig sind muss dort das Originalfahrzeug ausgestellt sein. Vielleicht kann auch der Kurator des Museums Auskunft dazu geben. Sofort lässt er einen Termin mit dem Kurator des Museums vereinbaren.
Gleich am nächsten Morgen fährt er nach Mühlhausen. Eigentlich hatte er einen Termin direkt mit dem Kurator vereinbart , doch kurz vor seiner Abfahrt hatte das Museum angerufen und mitgeteilt, dass der Kurator verhindert sei und sich durch Mme. Stark vertreten lässt. Das ist eigentlich nichts besonderes ,denn sein Besuch ist ja auch nur ein kurzer, unbedeutender Pressetermin und da gibt es für einen Kurator wahrscheinlich Wichtigeres zu tun. Mme. Stark würde ihm bestimmt Auskunft geben können.
Auf der Fahrt über die A5 lässt ihn wieder dieser Gedanke nicht los... warum versenkt jemand einen ganzen LKW im Wald? Gut es waren damals ,vor fast 70 Jahren, turbulente Zeiten, aber das ist schon sehr merkwürdig.....
vielleicht war ja etwas Bestimmtes auf dem LKW, etwas das damals unbedingt unentdeckt bleiben musste. Was nur könnte jemanden veranlassen einen ganzen LKW in einem Loch im Wald zu versenken., was?... Er findet keine Lösung. Vielleicht weiß ja diese Mme Stark mehr.
In Mühlhausen beim Museum angekommen geht er sofort zum Empfang . „Guten Tag, ich habe einen Termin mit Mme Stark„ Oh ja,ja... Sie kommen von dise Seitung aus Deutschland? Sofort isch Sie anmelden werde “. Die junge Dame verschwindet in einem der zahlreichen Büros an der gegenüberliegenden Seite des Raums. Erst nach ziemlich langer Zeit, es können leicht zehn oder mehr Minuten gewesen sein, öffnete sich erneut die Tür und eine etwa 55 Jährige hagere Frau, mit einer gebieterischen Ausstrahlung betritt den Raum.
Er erhebt sich sofort und tritt der Frau so freundlich er kann entgegen.“Bloß nicht unsicher wirken“, denkt er bei sich. „Guten Tag , Mike Heimann, Breisgauer Nachrichten, Lokalredaktion, ich nehme an, Mme Stark .“ die Frau antwortet mit akzentfreiem Deutsch, aber scharf „Das sehen Sie richtig, der Kurator hat mir Ihr Kommen schon angekündigt, er selbst ist leider kurzfristig verhindert, ich bin seine Vertretung, worum geht es bitte?“. Mike stutzt sichtbar, wieso weiß diese Frau nicht worum es geht, er hatte dem Kurator doch alles schon gestern erzählt, nun gut....., also noch einmal von vorn. Um alles leichter erklären zu können gibt er Mme Stark eine Kopie des Artikels. Sie überfliegt den Artikel nur kurz und noch bevor er Weiteres dazu sagen kann , sagt sie, merklich gereizt „ Tut mir leid, Herr Heimann, ich weiß nichts von diesem Vorgang, es gibt nur ein paar wenige Austellungsstücke aus dem zweiten Weltkrieg bei uns ,doch ein solches Fahrzeug ist nicht dabei“ und freundlicher, so als hätte sie ihre Unhöfligkeit bemerkt „aber bitte,...überzeugen Sie sich doch selbst.“ Er kann es wirklich nicht glauben, hatte er doch dem Kurator sein Anliegen ganz genau geschildert, erst gestern, am Telefon. Nichts aber auch gar nichts hatte dieser davon verlauten lassen, das es das Fundstück hier in diesem Museum nicht gibt, und wieso hatte man ihn überhaupt herkommen lassen, reine Zeitverschwendung, sehr ärgerlich.“„Mme, könnte es nicht sein, dass dies vor Ihrer Zeit gewesen ist und nur der Kurator davon weiß.“„Sie..., ich sage Ihnen etwas. Ich bin schon sehr lange, fast 30 Jahre hier im Museum tätig, ich kenne jedes Ausstellungsstück , wenn es ein solches Stück hier gibt oder gegeben hätte wüsste ich davon..., ja also, ich kann dann wohl leider nichts für Sie tun, guten Tag“. Sie sieht ihn bestimmt an, dreht sich um und geht direkt in ihr Büro zurück. Die Tür fällt hörbar ins Schloss.
Drinnen wird es laut , es wird hektisch gesprochen, Französisch ist leider nicht seine Stärke, er versteht kein Wort, doch merkwürdig ist das Alles schon. Hat doch irgendwie sein Erscheinen hier, große Aufregung verursacht. Ja, diese Angelegenheit wird immer interessanter. Auf jeden Fall will er sich die Ausstellung ansehen vielleicht ergeben sich ja Hinweise. Eines wird ihm deutlich, es gibt hier ein Geheimnis um den LKW aus dem Wald und dieses Museum.
Er mischt sich unter die Besucher und schlendert möglichst unauffällig durch die Ausstellung. Er fühlt sich beobachtet, aber das reizt ihn umso mehr. Jetzt wird die Story wirklich interessant. „Tja, ich bin eben doch auch einer von diesen Verrückten “ . Sein Jagdinstinkt erwacht.
In der Ausstellung gibt es alles was das Sammlerherz begehrt. Von Bugattis, alten Merzedes- und Wandererlimousinen bis hin zu modernen Ferrari und Formel 1 Rennwagen. „Alles zusammengetragen von einem einzigen Mann, Claude Schlumpf. Eine tolle Leistung“ denkt er .
Doch leider, und das ist enttäuschend, tatsächlich keine Spur von dem LKW, nicht einmal ein vergleichbares Model. Das hätte der Kurator ihm wirklich sagen müssen.
Auf der Heimfahrt über die Autobahn kommt ihm sofort wieder der Gedanke: Warum versenkt jemand einen ganzen LKW im Wald?? . ...Wenn etwas auf dem Lastwagen gewesen ist hätte man es bestimmt im Zusammenhang mit dem Fund erwähnt....es sei denn....es sollte, oder durfte nicht erwähnt werden....oder es war zur Zeit des Auffindens schon verschwunden. Vielleicht hatte man es vor 70 Jahren gleich mitgenommen.... nein das nicht..... wozu hätte man dann den LKW versteckt... das ergibt keinen Sinn. Oder..... es hat jemand später, irgendwann zwischen 1945 und 1981 abgeholt....oder... vielleicht liegt es ja immer noch dort..... oder.... Dem muss er nachgehen, das ist so faszinierend, fast schon zu heiß für eine Zeitungsstory. Er sollte auf jeden Fall so schnell wie möglich diesen Förster aufsuchen, hoffentlich war der auffindbar.... wie hieß der noch gleich....? Wilfried L. aus Breitnau. Leider weiß er nur zu gut das solche Namen in Zeitungsartikeln oft erfunden werden um die wirklich Beteiligten zu schützen. Es könnte also durchaus weder einen Wilfried L. geben noch bei Breitnau gewesen sein.
In Freiburg, in der Redaktion angekommen ,verspürt er keinerlei Verlangen mehr die Angelegenheit als Lokalereignis zu veröffentlichen. Daraus konnte viel mehr werden. Oder vielleicht sollte man es besser ganz für sich behalten? Doch ohne Öffentlichkeit ist es auch schwierig weiter zu kommen. Jetzt erst mal den Förster suchen. Er nimmt sich ein Telefonbuch der Schwarzwaldgemeinden zur Hand. „Für den Anfang glauben wir mal an den Namen und den Wohnort“. Dummerweise ist vom Nachnamen nur der Anfangsbuchstabe bekannt. Wenn beides ,Name und Wohnort stimmt kann es dennoch nicht allzu schwierig sein. Breitnau ist nicht groß und man kann leicht alle Einwohner mit L. überprüfen. Er sieht alle Breitnauer Spalten des Telefonbuchs durch , leider kein Wilfied L. Es gibt allerdings einen Revierförster. Wenn die Angaben im Artikel richtig sind muss der heutige Forstamtsleiter der Nachfolger von L. sein. Doch 29 Jahre sind eine lange Zeit. Was wenn L.weggezogen oder verstorben ist?
„Das Beste ist ich setze mich mit dem Förster von Breitnau in Verbindung und bitte um einen Termin. So kann ich vielleicht herausfinden ob L. wirklich existiert“ Jetzt ist noch die Frage offen : Sollte er dem Förster sagen worum es geht oder sollte er sich unter einem Vorwand mit ihm verabreden. Als Journalist ist es leicht ein anderes Thema vorzutäuschen, aber er braucht einen Anlass um nach L. zu fragen.
Wie war das noch in dem Artikel?.......genau: „......Im Rahmen der Bekämpfung ,der in diesem Jahr wieder besonders stark umgreifenden Tollwut, war sein Diensthund auf Fuchsbaue angesetzt........“. Ja die Tollwut, das kann das Thema sein. Er hatte irgendwo gelesen, das die Tollwut in den 1980.ziger Jahren weit schlimmer wütete als heute und es große Erfolge bei der Eindämmung dieser Krankheit gibt. Damit kann er den Förster beim Ehrgeiz packen und gleichzeitig unauffällig über seinen Vorgänger ausfragen.
Gleich greift er zum Telefon und wählt die Nummer des Forstamtes. „Guten Tag, hier Mike Heimann von den Breisgauer Nachrichten, Freiburg. Ich hätte gern einen Interviewtermin zum Thema: Fortschritte in der Bekämpfung der Tollwut seit den 1980ziger Jahren im Schwarzwald. Ich hörte, das Sie und Ihre Vorgänger auf der Gemarkung Breitnau, besonders erfolgreich gewesen sind.“
Der Termin wird auf Dienstag festgelegt. Der Förster ist sehr erfreut über diese Gelegenheit , denn wie er sagte ,die Tollwut ist ihm ein großes Anliegen.
„Soweit so gut... jetzt kommt die „Knochenarbeit“ unvorbereitet kann ich nicht zum Interview erscheinen, das fällt sofort auf. Tollwut!... mein Gott!.... auch nicht gerade das Wunschthema. Aber es ist für...., für was auch immer..., ich muss nur dran bleiben“sagt er zu sich.
Bis Dienstag sind es noch 5 Tage, das Wochenende liegt dazwischen, es bleibt noch genug Zeit , nur es gibt da diese innere Stimme die sagte : „Hallo Mike!!... verschwende keine Zeit mit der Tollwut, du musst jetzt gleich weitermachen...weitermachen ...ja,weitermachen!!!
Doch die Vernunft sagt ihm „Auf dem Teppich bleiben... ohne Tollwut kein Weitermachen“ also beginnt er zu recherchieren.
Nachdem er das halbe Wochenende in der Redaktion verbracht hat sind die Vorbereitungen für den Dienstag fast abgeschlossen. Er weiß nun alles über Füchse,... den Verbreitungsweg der Tollwut, die wissenschaftlich Rabies genannt wird, und all die Möglichkeiten und Bemühungen der Förster bei der Bekämpfung.
Seine Hausaufgaben hat er wirklich gründlich gemacht, jetzt braucht er nur noch einen Termin bei Dr. Becker um sich das Interview und den geplanten Artikel genehmigen zu lassen. Ja leider..., er muss wirklich einen echten Artikel über diese Tollwut schreiben, aber ist egal....Tarnung gut,...alles gut.
Der Termin beim Chefredakteur verläuft „ohne besondere Zwischenfälle“, dh. mindestens 30 Minuten warten, dann:....“ was haben Sie Heimann? Geben Sie her Heimann , ich habe keine Zeit“....eine Unterschrift und..... raus,... das war`s. Er hätte eben sogut einen Vertrag über eine Gehaltserhöhung vorlegen können, Becker hätte es nicht gemerkt. Obwohl es ging die Sage um, das Becker immer dann etwas merkt wenn es einem am wenigsten passt. Also wahrscheinlich doch nichts mit der Gehaltserhöhung.
Dienstag Früh macht er sich direkt von der Wohnung aus auf den Weg nach Breitnau. Er hat sich alles noch einmal genau angesehen, sich die Fragen gut überlegt, denn genau auf die kam es an. Er muss einen Weg finden unauffällig von der Tollwut ,zu dem überzuleiten was ihn wirklich interessierte, dem heutigen Aufenthaltsort von Wilfried L.
Er nimmt die Nebenstraße über Buchenbach und das Wagensteigtal, das Höllental ist wieder einmal durch Baustellen und Verkehrsüberlastung,„ verdammte Touristen“, nahezu unpassierbar. Jeder der sich etwas auskennt fährt im Sommer nicht die Hauptstraße.
Es ist ein schöner, sonniger Sommermorgen der in der Rheinebene einen heißen Tag erahnen lässt. An solchen Tagen kann es in Freiburg leicht 35° C und mehr werden. „Zum Glück bin ich heute Mittag nicht im Büro, oben am Wald wird es bestimmt angenehmer sein“.
Mit Hilfe seines Navis findet er das Forstamt recht schnell. Eigentlich,... etwas zu schnell, denn er ist jetzt fast eine Stunde zu früh. „Es macht sich nicht gut, wenn man zu so einem Termin zu früh kommt, ....das ist genauso schlecht wie zu spät“. Um nicht aufzufallen parkt er seinen Wagen etwa 100m vom Forsthaus entfernt. Er hat jetzt reichlich Zeit, sich alles noch einmal zu überlegen. Er würde zum Anfang des Gesprächs allgemein nach der Tollwut fragen, dann nach den speziellen Maßnahmen heute ,und dann natürlich..... nach dem was früher war. Wenn das Thema soweit gediehen wäre ,würde er einfach fragen ob es nicht möglich ist, auch noch den Amtsvorgänger direkt zu sprechen. Das ist seine Chance.
Die Stunde ist um und jetzt wird es ernst. Langsam fährt er auf den Vorhof des Forsthauses. Er nimmt seine Unterlagen und steigt aus dem Auto. Jetzt hat jeder bemerkt das er angekommen ist, dachte er bei sich, denn auf dem Auto prangt deutlich und unübersehbar die Aufschrift„ Breisgauer Zeitung , Freiburg .......“.
Leider ist es Vorschrift zu offiziellen Terminen mit einem Verlagsfahrzeug zu erscheinen, das ist nicht immer günstig, da er hier aber sowieso angemeldet ist spielt es heute keine Rolle.
Die Tür des Hauses springt auf und ein sehr hochgewachsener, breiter , Mann mit ziemlich rotem Gesicht stürmt ihm entgegen. „ Ich habe sie schon erwartet, Gleichtaler..., Markus Gleichtaler, ich bin sozusagen der Leithirsch hier, wir haben telefoniert“.Eine wuchtige, markige, Hand mit eindeutig auffordernder Geste wird ihm entgegen gestreckt. Er bemüht sich schnell der Aufforderung nachzukommen und schüttelt sie.„ Ja.. äh.., Mike Heimann , Breisgauer Zeitung “. Der Mann dreht sich, trotz seines riesigen Körpers, fast elegant um und stürmt genauso drängend wie er gekommen war zurück in Richtung Forsthaus. „ Folgen Sie mir... in mein Reich .“ „ Greifen sie Raum ...auf meiner Lichtung“„Was bitte?“ „Ach, meine Ausdrucksweise, ich meine natürlich, nehmen sie Platz“. Ein seltsamer Kerl, dieser Revierförster,denkt er bei sich.
Er nimmt Platz auf dem nächsten Stuhl und kramt etwas verlegen in seinen Unterlagen.
Warum setzt sich dieser Kerl nicht auch hin?
Förster Gleichtaler läuft im Zimmer hin und her und gestikuliert während er spricht. „Sie kommen wegen der Tollwut, oh ja, das ist sehr gut, ein Thema wie ein Berg, erst unüberwindlich, schroff, unbezwingbar,.... doch der kreative menschliche Geist, im Wettbewerb mit der wilden, ungebändigten Natur ist durch eiserne Disziplin einem großen Sieg nähergekommen ...... Der Mann hätte Dichter nicht Förster werden sollen, hoffentlich hört er bald auf.
Und verdammt, so kann ich auch meine Fragen nicht stellen. Gleichtalers Vortrag geht weiter und weiter „....... im immerwährenden Kampf mit dieser grausamen Geißel haben Generationen von.....“ein Versuch noch „Vielen Dank Herr Gleichtaler..., nun ich hätte da eine Fra....“ „Verdammt er hört mir gar nicht zu. Das gibt’s doch nicht“ ..... Aber..... wenn er es recht bedenkt ist dies auch eine gute Möglichkeit, schneller als erwartet ans Ziel zu gelangen . Er nimmt all seine Stimmgewalt zusammen und brüllt:„ Dann hätten wir ja fast schon alles, vielen Dank für das Interview“ und etwas leiser„ nachdem ich nun von Ihnen soviel Interessantes gehört habe, meinen Sie, ich könnte auch einmal Ihren Vorgänger befragen?“. „ Meinen Vorgänger?“antwortet Glaichtaler irritiert „ Ja ich hörte, er hätte vor dreißig Jahren auch sehr viel zur Bekämpfung dieser schrecklichen Tollwut beigetragen, ein Herr...,wie war noch der Name ... Wilfried .....“Gleichtaler läuft immer noch hin und her, jetzt allerdings ohne große Gesten und schweigend.„ Sie wollen also meinen Vorgänger sprechen, das dürfte schwierig werden“.„Oh..., ist der Herr nicht mehr am Ort“„ So könnte man es ausdrücken. Als ich vor 15 Jahren dieses Forstamt übernahm, sagte man mir er hätte einen Unfall gehabt, ich habe ihn persönlich nie kennengelernt“.
Das darf nicht wahr sein... alles geht schief, ....erst das Automuseum, ....dann der Förster... was bleiben jetzt noch für Anhaltspunkte, denkt Mike entsetzt.
Enttäuscht und mutlos besteigt er seinen Wagen. Was soll er jetzt machen, wie an Informationen kommen?
Der Artikel von 1981 gibt nichts mehr her, das Automuseum will aus irgendwelchen Gründen nichts von dem versteckten LKW wissen und der einzige, direkte Zeuge ist verstorben. Nein, genauer gesagt er hatte einen Unfall, ja und das ist ein großer Unterschied, denn was ,wenn dieser Unfall mit der Angelegenheit in Verbindung steht.
Dieser Gedanke ist irgendwie beängstigend, aber sicherlich auch viel zu dramatisch, beruhigt sich Mike.
Moment..., es gibt da natürlich noch einen Zeugen, Dr. Steinheimer, der Kurator, na klar. Wenn er damals das Fundstück vor Ort begutachtet hat, muss er auch wissen wo es gefunden wurde, unter welchen Umständen es gefunden wurde und wo es jetzt ist.
Er muss unbedingt den Kurator persönlich sprechen. Diese Mme Stark würde ihm nicht noch einmal dazwischen kommen. „Ich fahre einfach unangemeldet nach Mühlhausen, mache das Büro des Kurators ausfindig und lege mich auf die Lauer, ein Überraschungsangriff, das ist Journalismus wie ich ihn liebe.“
Und dann beginnen die Gedanken wieder zu kreisen: Was wenn Dr. Steinheimer ihn deshalb zum Museum hat kommen lassen, weil er ihm all diese Auskünfte geben wollte,..... was wenn der L 6500 doch dort war,...was wenn der Anruf bei der Redaktion gar nicht auf Steinheimers Wunsch hin erfolgt war? Es gab ein Geheimnis „Schon wieder dramatisiere ich“, versucht er sich zu beruhigen.
Am liebsten wäre er gleich heute nach Mühlhausen gefahren, doch dafür ist es jetzt zu spät. Also dann morgen.
Abends im Bett überlegt er wie er mit Steinheimer Kontakt aufnehmen kann. Dummerweise weiß er ja noch nicht einmal wie der aussieht. Außerdem muss er vorsichtig sein, die Sachlage war vollkommen unklar. Ist Steinheimer eingeweiht oder nicht? Auf welcher Seite steht er? „Schon wieder mache ich eine Kriminalgeschichte aus der Sache. “,sagt er zu sich. Offiziell nach Steinheimer zu fragen, das hat wahrscheinlich keinen Sinn. Man würde ihn abblocken und wer weiß, vielleicht weckt man damit schlafende Hunde . Ja der Überraschungsangriff ist der richtige Weg.
Es ist noch dunkel als er in Mühlhausen beim Museum eintrifft. Er stellt seinen Wagen nicht auf dem Museumsparkplatz ab, der ist zwar noch völlig leer aber es wäre viel zu auffällig. So fährt er in eine Seitenstraße, nimmt seine Taschenlampe und das Fernglas, steigt leise aus dem Auto und nähert sich den Museumsgebäuden. „Wenn mich jetzt jemand sieht hält er mich bestimmt für einen Einbrecher. Das kann ganz schön schief gehen“. Er schleicht sich um das Hauptportal herum in den für die Öffentlichkeit unzugänglichen Innenhof. „Hoffentlich haben die hier keine Wachhunde“.
Da muss es sein.... die Fensterfront der Büros. Genau gegenüber hatte er in der Eingangshalle mit Mme Stark gesprochen. Jetzt braucht er nur noch ein Versteck mit einen guten Blick in die Bürofenster, am besten in Hörweite. So lässt sich bestimmt herausfinden wer von den Leuten Dr. Steinheimer ist. Da... der Busch an der Mauer ist genau das was ich brauche.
Es sind noch vier Stunden bis das Museum öffnet, eine lange Zeit. Die Angestellten kommen frühestens zwei Stunden vor Öffnungszeit. Jetzt nur nicht einschlafen. Er versucht sich durch Selbstgespräche und Gedankenspiele wach zu halten, stellt sich Steinheimer vor, ......wenn der schon vor 29 Jahren Kurator gewesen ist kann er nicht mehr der Jüngste sein. Bestimmt schon um die 65 denkt er. Die Zeit will und will nicht vergehen.
Endlich...langsam wird es hell. In den Häusern der Umgebung erwacht der Tag. Rollläden werden geräuschvoll hochgezogen, Hunde bellen, ein Bäcker mit einer Draisine kommt vorbei, ein Milchmann auf einem Fahrrad. Das ist hier wie auf dem Dorf, richtig idyllisch, eben Frankreich, denkt er bei sich.
Jetzt tut sich etwas in dem Gebäude, er hört Stimmen, versteht allerdings nicht was gesprochen wird. Sind das die ersten Angestellten? Schlüssel drehen sich in den Türschlössern aller Büros . „Nein, das ist die Putzkolonne. Dann dauert es noch bis die Museumsmitarbeiter kommen“.
Jetzt ist es taghell. Er muss darauf achten, dass ihn niemand sieht. Von der Straße und vom Parkplatz ist er durch eine hohe Hecke gut gedeckt, aber wenn sich jemand nahe genug an eines der Fenster stellt könnte er ihn sehen. Das wäre fatal, sofort würde man ihn fragen was er dort im nicht öffentlichen Bereich des Museums verloren hat, vielleicht würde man ihn zu Mme Stark bringen, nicht auszudenken. Selbst mit einer guten Ausrede und ohne weitere direkte Konsequenzen, wie Polizei.. wäre sein ganzer Plan hinfällig, alle wären gewarnt. Braucht er ein besseres Versteck? Nein kein Versteck, er muss handeln, irgendwie Dr. Steinheimer treffen.
Da hört er plötzlich eine vertraute Stimme aus einem der Büros, klar das ist Mme Stark, sie spricht mit jemandem, auf Deutsch, eine Männerstimme antwortet , ist das Dr. Steinheimer? Vorsichtig schiebt er sich an das Fenster des Büros aus dem die Stimmen kommen heran, er hockt sich so vor das Fenster, dass er gerade über das Sims in den Raum sehen kann. Dort steht tatsächlich Mme Stark, mit dem Rücken zun ihm und verdammt nah am Fenster. Vor ihr, von ihm aus gesehen natürlich hinter ihr, sitzt in etwa 2m Entfernung ein älterer Mann an einem Schreibtisch. Der Mann ist über einen Text gebeugt und liest, „sehr glücklich wirkt der aber nicht“, denkt Mike. „Sie tragen die Verantwortung und das wissen Sie“ sagt Mme Stark plötzlich scharf zu dem Mann und das so laut das Mike ihre Rede deutlich versteht. Der Mann am Schreibtisch erhebt sich unvermittelt , verlässt eilig den Raum, geht ohne ein weiteres Wort und ohne die Tür zu schliessen direkt durch die Vorhalle auf den Ausgang zu. Das ist meine Chance , denkt Mike sofort. Er rennt durch den Innenhof, durch das Tor, zur Hauptpforte des Museums , ohne einen weiteren Gedanken daran ob ihn jemand sieht , das ist jetzt egal. Vor dem Museumsgebäude angekommen sieht er den Mann direkt auf sich zulaufen, jetzt oder nie..., „ Guten Tag, Mike Heimann, Breisgauer Nachrichten aus Freiburg in Deutschland, Dr. Steinheimer nehme ich an, Sie erinnern sich ? wir hatten einen Termin“. Der Mann versucht auszuweichen, Mike stellt sich ihm jetzt direkt in den Weg. „Sind Sie Dr. Steinheimer, ich hätte ein paar wichtige Fragen, Sie sind doch Dr. Steinheimer oder?, bitte nehmen Sie sich etwas Zeit“. Der Mann blickt ihm direkt in die Augen, drängt Mike dann schroff und wortlos zur Seite und rennt über den Platz in eine der Seitenstraßen. „Verdammt...., wo läuft er hin, ich kenne mich hier nicht aus, ich muss dran bleiben“ denkt Mike und nimmt sofort die Verfolgung auf. Der Mann sieht sich um und beschleunigt seinen Lauf ,er hat wohl bemerkt, dass Mike ihm folgt. Er rennt immer schneller, Mike bleibt ihm auf den Fersen, „Dr. Steinheimer, so bleiben Sie doch stehen, ich habe doch nur ein paar kurze Fragen, wir hatten doch schon alles abgesprochen am Telefon, erinnern Sie sich nicht mehr?“ schreit Mike dem Mann hinterher während er läuft so schnell er kann. Im Gewirr der Gassen der Altstadt hat Mike keine Chance, der Mann ist verschwunden, abgebogen in irgendeine Seitengasse, unauffindbar, denkt Mike.
Doch was ist das? Ein Geräusch, wie ein.....? um Gotteswillen das darf nicht wahr sein, ein Geräusch, wie ein Schuss! Es kam von da vorn aus der Straße. Er sagt zu sich „ ganz ruhig Mike, ganz ruhig und verhalte Dich unauffällig“. Vorsichtig nähert er sich der Straßenecke, noch kann er nichts sehen, aber er hört Schritte , viele Schritte und Rufe auf Französisch. Als er nahe genug heran ist riskiert er einen Blick in die Gasse, er sieht einige Leute, zwei beugen sich über einen am Boden liegenden, blutenden und leblosen Mann. Rufe, Gesten des Entsetzens, „ es ist der Mann aus dem Museum, Steinheimer“ bemerkt Mike sofort. Man hört ein Martinshorn, es kommt näher. „Es ist besser ich verschwinde, als Fremder ist man schnell verdächtig und vielleicht hat mich ja auch jemand hinter ihm her rennen sehen, das könnte ich wohl kaum glaubhaft erklären“. So unauffällig wie möglich, schockiert und aufgelöst geht er direkt zu seinem Wagen. Er steigt ein „ bloß weg hier, ehe es noch Schwierigkeiten gibt“. Doch da, ein Mann ruft etwas unverständliches hinter ihm her und geht direkt auf Mikes Auto zu „ bloß weg“ ,der Mann stellt sich direkt vor sein Auto und schreit weiter auf ihn ein , gestikuliert mit den Armen , als wolle er das Auto festhalten. Rückwärtsgang rein , links lenken und vorwärts und weg. Mike gibt Gas ,der Mann springt zur Seite, Mike fährt so schnell er kann aus der Stadt. Hoffentlich hat sich keiner seine Nummer gemerkt, das könnte Schwierigkeiten geben, wie sollte er seine Flucht erklären, wie die Verfolgung? Was ist überhaupt geschehen, er selbst hat nur den Knall gehört , ja es muss ein Schuss gewesen sein, aber abgegeben von wem? Gesehen hat er nichts, hat Steinheimer , sich selbst erschossen oder war es etwa ein Mord? Beides ist so absurd, warum? Wenn das die Folgen seiner Nachforschungen sind ist es vielleicht besser die Finger davon zulassen. Das ist eine Nummer zu groß...... oder?
Er ist von den Ereignissen so aufgewühlt, dass er sobald er bei Othmarsheim über die Rheinbrücke nach Deutschland kommt erst einmal anhalten muss. Auf dem Parkplatz, steht noch ein Sattelzug aus Spanien, vielleicht ist es besser er versteckt dahinter den Wagen. Kaum ist der Motor aus überfällt Mike die Müdigkeit, das frühe Aufstehen und die Ereignisse fordern ihren Tribut, er schläft ein.
Es ist schon dunkel als Mike erwacht, wie lange hat er geschlafen, es müssen Stunden gewesen sein. Der schützende Sattelzug ist weg, so steht er da mit seinem Auto allein und deutlich sichtbar für jedermann. Er muss weiter und unbedingt seine Gedanken ordnen, überfällt es ihn. Was ist heute geschehen? Was hat es möglicherweise für Folgen und was muss jetzt getan werden.
Warum ist Steinheimer, er nennt den Mann jetzt einfach so, aus dem Büro gerannt. Ja , da war diese unüberhörbare Bemerkung von Mme Stark. Was hatte sie noch gleich gesagt? Irgendetwas von Verantwortung...., genau: „Sie tragen die Verantwortung und das wissen Sie“, waren ihre Worte. Steinheimer hat geradezu panisch darauf reagiert, warum? Es muss etwas mit dem Text zu tun haben den er vorher am Schreibtisch gelesen hat, denkt Mike. Warum rennt jemand nach einer solchen Bemerkung so panisch davon. Wurde Steinheimer etwa bedroht oder verfolgt? Bemerkt hat Mike nichts, doch vielleicht nur deshalb nicht weil er selbst ein Teil in diesem Spiel gewesen ist. Was ist wenn Steinheimer gar nicht vor ihm geflüchtet ist sondern vor seinem........ Mörder? Wenn es so war, hat der Mörder Mike vielleicht erkannt und........... „Oh je, ich bin ein lästiger Zeuge“ denkt er.... , „aber auch einer dem man die Tat leicht anhängen kann, verdammt! Was mach ich nur. Wenn der Mörder mich kennt, verfolgt er mich möglicherweise...“.Und was war das mit dem Mann am Auto, vorhin in Mülhausen? Was hat der gesehen, was wollte der, was spielt der für eine Rolle in dem Stück?
Ich muss nachhause fahren, am besten erzähle ich niemanden etwas davon, ich muss aber unbedingt die Lokalnachrichten von TV-Südbaden mitbekommen. Und Morgen melde ich mich krank in der Redaktion , beschließt Mike
Auf der Heimfahrt sieht er immer wieder in den Rückspiegel. Wird er verfolgt, ist wohl möglich die Polizei hinter ihm her, oder schlimmer noch... der Mörder?
In Freiburg angekommen fährt er nicht direkt zu seiner Wohnung, hält ca. 50 m vorher an, so das er sehen kann wer vor dem Haus steht und wer in der Straße unterwegs ist. Er wartet ungefähr eine halbe Stunde, nichts auffälliges. Jetzt fühlt er sich sicher, steigt aus dem Wagen und geht auf seine Wohnungstür zu. 50 m können verdammt lang sein. Jede Person die ihm begegnet oder auf der anderen Straßenseite läuft hat er unauffällig im Blick. Auch die parkenden Autos natürlich. Sitzt dort jemand in dem Wagen? Mike verlangsamt seine Schritte und geht weiter auf das Auto zu. Auf dem Beifahrersitz befindet sich tatsächlich eine Person. Es sieht so aus als ob die Person in den Rückspiegel blickt . Wo ist der Fahrer? schießt es ihm durch den Kopf.
Ich bilde mir die Gefahr sicher nur ein , natürlich parken jeden Tag Autos hier und es sitzen auch sehr oft Leute darin, sie warten auf jemanden , das ist absolut nichts besonderes. Doch umso mehr er sich dem Auto nähert und der Zeitpunkt kommt das er daran vorbei gehen muss, umso unsicherer fühlt er sich. Was wenn die Person aussteigt sobald ich vorbei bin und..........? Sie sind mindestens zu zweit. Der Fahrer, holt er Zigaretten...? oder ist er...... in meiner Wohnung? Er hält den Druck nicht mehr aus, doch kurz bevor er am Auto vorbei gehen muss kommt die Erlösung, Robert sein Nachbar aus der Nr.12 steht plötzlich da. Eigentlich hatten sie sich nie viel zu sagen aber heute ist Robert das „Geschenk des Himmels“. „Hi Robert, schön Dich zu sehen“ Mike sagt dies mit einer so überzeugenden Ehrlichkeit, dass er selbst überrascht ist. „Hast Du vielleicht Zeit , ich wollte Dir doch schon immer meine neue Kamera zeigen, Du erinnerst Dich doch sicher, die, die ich mir im Frühjahr in Berlin gekauft habe, die wolltest Du doch schon immer mal sehen“ Robert ist etwas überfahren, doch er willigt ein. Glück gehabt denkt Mike. Jetzt kann mir hier auf der Straße keiner etwas antun und in meine Wohnung muss ich auch nicht allein. Er dreht sich noch einmal unauffällig zu dem Auto um, die Person ist anscheinend ausgestiegen, egal jetzt ist er vorerst sicher. Mike und Robert betreten das Treppenhaus, schon wieder hat jemand die Eingangstür nicht ins Schloss fallen lassen, das kommt ständig vor. Die Hausverwaltung hat extra ein Schild angebracht :
„ An alle Mieter aus gegebenem Anlass :
Bitte sorgen Sie aus Sicherheitsgründen
für eine stets geschlossene Eingangstür.
Die Hausverwaltung“
Bis heute war Mike das nicht besonders wichtig gewesen, aber jetzt...
Ich brauche Auffälligkeit, denkt er „Ja weißt Du Rob, ich musste damals ganz schön handeln auf der Photomesse, der Verkäufer war ein harter Brocken“sagt Mike, lauter als notwendig „ Aber dafür hast Du ja auch etwas sehr Schönes bekommen, ist doch ein echtes Sammlerstück, Deine Hasselblad, wie alt ist die noch?“ antwortet Robert. Unauffällig und von Robert unbemerkt blickt Mike durch das Treppenhaus nach oben „so 35 Jahre“, er wohnt im dritten Stock, das ist ungefähr auf halber Höhe. Dummerweise könnte sich jemand in einem der höheren Stockwerke unbemerkt verstecken, eine unangenehme Vorstellung. „ Ist im Top Zustand, das war seiner Zeit das Edelste was es gab“. Sie erreichen Mikes Wohnungstür, sie erscheint unversehrt und verschlossen. Mike ist so erleichtert, das Robert seine Erleichterung bemerkt: „Was ist denn mit Dir los, hast Du was Schlimmes erwartet“„ Nein, Nein es ist nur...ich bin etwas angestrengt von meinem Tag heute, war viel Stress in der Redaktion“„ Ja, soll ich vielleicht doch ein anderes Mal....“„ Nein, Nein komm nur rein es ist OK“. Mike steckt den Schlüssel ins Schloss und...? Es ist irgendwie anders als sonst, es dreht so leicht und das vertraute„Klick“ es fehlt. Er öffnet die Tür und drückt wie gewohnt auf den Lichtschalter im Flur... „Ach... so was dummes die Glühbirne ist kaputt, warte , ich geh in die Küche und mache dort Licht.“ Mike tastet sich durch den dunklen Flur bis zur Küchentür, erreicht den Lichtschalter und ....... (hier könnten Sie weiter lesen, wenn es dafür Interesse gibt)