Es war bereits sein vierter Versuch, das Blau
des Himmels mit dem Pinsel auf die Leinwand zu bannen. Es lag einfach am Licht,
das sich immer wieder veränderte und durch die sich bewegenden Blätter der
Olivenbäume zu immer neuen Leben erweckt wurde.
Am Horizont war der Himmel heller und
vermischte sich mit dem Dunst des Wassers und der aufsteigenden Hitze. Dann
ging die Farbe in ein Stahlblau über und vertiefte sich dann in eine wundervolle
tiefblaue Kuppel.
Das Sonnenlicht flimmerte und schickte
Lichtbündel zwischen die Schatten auf den Boden zwischen den Bäumen. Die
weitausladenden Kronen der Olivenbäume mit ihren zerklüfteten Stämmen schienen sich mit dem Licht und der
Hitze zu vereinen. Es regte zum Träumen an, holte alte Erinnerungen hervor.
Man konnte das Salz des Meeres auf der Zunge
spüren. Die Schreie der Möwen durchdrangen die Stille und das leise Plätschern
der kleinen Wellen schien die Stimmen aus der Tiefe des Meeres an die
Oberfläche zu tragen.
Er legte den Pinsel auf die Staffel und lief
geradewegs ins Wasser. Es umfing ihn mit schmeichelnden Wellen, angenehme Kühle
umspülte ihn und er schloß die Augen bis auf
einen Spalt um das Sonnenlicht auf den Wellen reiten zu sehen.
Es war ein unglaublich angenehmes Gefühl,
sich von den Wellen tragen zu lassen, sich umzudrehen, unterzutauchen und
wieder empor zu kommen.
Er schwamm, alles rundherum vergessend und
teilte die Wellen mit kraftvollen Tempi.
„Oh!“ Es war eine angenehme Stimme, ein wenig
erschrocken klingend aber mit einem durchaus freundlichen Unterton.
Sie wären fast zusammen gestoßen, er und eine
junge Frau, die vor ihm aus den Wellen auftauchte.
Sie lachten beide und brachten ein wenig Abstand zwischen sich.
„Ich habe sie noch nie hier gesehen?“ Er
schaute sie fragend an.
„Oh, ich bin eigentlich immer da. Vielleicht
haben sie mich noch nie gesehen, ich schwimme eher weiter drüben und meist weit
hinaus, ich liebe das Meer sehr“
„Sie sollten aber nicht alleine so weit
hinaus schwimmen, das kann gefährlich werden!“
„Nein, nicht für mich. Ich bin sozusagen im
Meer aufgewachsen, fühle mich ganz zu Hause darin!“ Sie lachte und warf den
Kopf und beide Arme zurück.
Sein Blick blieb an ihren wundervoll
geformten Schultern hängen und es wurde ihm plötzlich bewußt, daß sie nackt
war.
Im ersten Moment blieb ihm vor Überraschung
die Luft weg. Sie war nackt und es schien für sie vollkommen normal zu sein.
War da ein belustigtes Lächeln in ihren
Augenwinkeln zu sehen? Amüsierte sie sich über ihn? Es erschien ihm so.
Nicht sie war verlegen, sondern er. Er
brauchte einige Sekunden um sich zu fangen und ertappte sich dabei, wie er
seinen Blick auf ihr Gesicht heftete, in dem Bemühen sich nicht anmerken zu
lassen, daß er ihre Nacktheit bemerkt
hatte.
Sie lächelte in die entstandene Stille hinein
und näherte sich ihm, bis sie ihn berührte. Er spürte wie ihre Beine die seinen berührten und ihn ermunterte, mit
ihr gemeinsam, Körper an Körper dahin zu gleiten.
Er ließ es geschehen und gab sich diesem
wundervollen Gefühl des kühlen Meeres, der schlanken sich bewegenden
Frauengestalt an seiner Seite hin und hatte auf einmal das Gefühl, den Horizont
berühren zu können.
Er merkte plötzlich, daß sie ihre Arme um ihn
geschlungen hatte, spürte ihre festen Brüste auf seinem Brustkorb gepreßt und
vergaß die Welt um sich.
Sie drehten und bewegten sich im Wasser, als
würden sie mit den Wellen schwingen. Sie tanzte mit ihm, als gäbe es keinen
Widerstand in diesem Element, sie erzitterte unter seinen Berührungen und er
spürt das Salz ihrer Haut auf seinen Lippen.
Ein kleines Vibrieren, ein leiser Seufzer,
eine sanfte Berührung, sie löste sich von ihm,
tauchte kurz unter und schwamm davon.
Da sie der Sonne entgegen schwamm, er konnte nicht genau sehen, wohin sie
verschwunden war. Er dreht sich schließlich um und schwamm zurück.
Er lag noch eine Weile im warmen Sand und
blickt hinaus auf das Meer. Wohin war sie wohl entschwunden?
Erst als die Sonne im Meer versank, verließ
er den Strand, nicht ohne noch suchende Blicke hinaus zu schicken.
Am nächsten Tag kam er an den Strand, jedoch
ohne seine Malutensilien. Er wußte, er würde nicht malen können, ohne an sie zu
denken. An diese Frau, die wie ein Traum aus dem Meer aufgetaucht und dorthin auch wieder verschwunden war.
Er tauchte ein und es zog ihn hinaus, reine
Lebenslust verspürend, auf den Wellen gleitend.
Da war sie plötzlich wieder. Sie kam von
rückwärts auf ihn zu und umarmte ihn. Ihre Hände glitten unter seinen Armen vorbei nach vorne zu seiner
Brust und glitten langsam auf und ab und er spürte ihre Lippen über seinem
Rücken streichend.
Er nahm zart eine ihrer Hände und dreht sich um. Sie lag auf dem Wasser, er
konnte ihre Zehen sehen, wie sie spielend auf der Oberfläche hin und strichen.
Oder war es vielleicht eine Schwanzflosse, mit grünen und silbernen Schuppen? Das Wasser war beweglich, das
Sonnenlicht spielte und spiegelte sich. Sein Blick glitt langsam hinauf bis zu
ihren Kniekehlen und ließ den Blick entzückt weiter hinauf über ihren
entzückenden Po gleiten, der immer wieder aus den darüber streichenden Wellen
auftauchte. Es war zwar unglaublich, doch inzwischen selbstverständlich
geworden, sie war wieder vollkommen nackt. Die Konturen ihrer schlanken Gestalt
wirkten verschwommen durch das Spiegeln der Wasseroberfläche. Die Sonne warf
helle Kringel auf ihre Haut und ihren schlanker Körper, der in dauernder Bewegung zu sein schien.
Nun glitt sie wieder tiefer in das Wasser und
schmiegte sich zärtlich an ihn. Dieses unglaubliche Gefühl der Berührung und
Bewegung unter Wasser ließ seinen Körper in einen Zustand der ungeheuren
Erregung fallen und sie ließen sich wieder von den Wellen tragen, hinab ziehen
in die Tiefe, atemlos wieder auftauchen um ineinander zu verschmelzen.
In dieser unwirklichen Szenerie wurde es wie
zur Selbstverständlichkeit, daß sie sich wie ein Liebespaar benahmen, eng
umschlungen dahin glitten, sich küßten und er ihre langen Haare, die im Wasser
schwebten durch seine Finger gleiten ließ und ihren Kopf zurück bog und sein
Gesicht an ihren Hals preßte und seine Zunge spielen ließ. Das Salz ihrer Haut
auf seinen Lippen erregte ihn.
Und wieder, nachdem ihrer beider
Körper durch den gemeinsamen Höhepunkt erzitterten, zu einer Einheit
verschmolzen waren, löste sie sich unvermittelt aus seinen Armen, tauchte kurz
unter, um dann wieder aus dem Wasser zu schnellen und der Sonne entgegen, davon
zu schwimmen.
Wo war sie wieder hin? Er ließ sich noch eine
Weile auf dem Wasser treiben und strebte dann wieder dem Ufer zu.
Als er dann wieder im warmen Sand lag und
seine Blicke über dem Wasser zum Horizont glitten, spürte er dieses Ziehen in
seiner Brust, das er schon sehr lange vermißt hatte. Er hatte Sehnsucht nach
einer Frau, deren Namen er nicht einmal kannte.
Oder war es vielleicht doch eine
Meerjungfrau, aus der Tiefe der See, ohne Namen?
Er schüttelte den Kopf und lächelte.
Die nächsten beiden Tage kam er vergebens an
den Strand, sie kam nicht wieder. Vielleicht war es doch ein Traum, ein
Vorgaukeln der Sinne, ähnlich einer Fata
Morgana? Dem Wunsch und Traum entsprungen, der Traum eines einsamen Herzens?
Am letzten Abend vor seiner Abreise zog er
sich noch einmal in die gemütliche Bar zurück und hing seinen Gedanken nach.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen, sie sitzen so
alleine hier?“ Sie stand vor ihm, das Licht hinter sich; es umspielte ihre
goldene Haarpracht, ihre schlanke Gestalt
wurde von einem silberglitzernden, engen, bodenlangem Kleid eingehüllt.
Sein Herz begann laut und unregelmäßig zu klopfen. Er richtete seinen Blick zum
Saum ihres Kleides und erwartete eigentlich dort irgend etwas anderes als die
schmalen Riemchenschuhe die sie anhatte.
Also doch keine Fata Morgana, keine
Meerjungfrau!
Er stand auf und rückte den Stuhl zurecht.
„Selbstverständlich, ich freue mich. Kennen
wir uns nicht?“
Sie lächelte ihn völlig unbefangen an.
„Nein, ich glaube nicht. Ich bin tagsüber
fast nie im Hotel, bin meist in einer kleinen Bucht, weiter weg vom Hotel.“
Er lächelte sie an.
„Ich glaube schon, dass wir uns kennen.“
Er nahm ihre kleine Hand und deutete einen
Handkuß an. Er spürte den Duft von Salz und Meer, der von ihrem Haar ausging.