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Deutschland, ein Wintermärchen?

Björn
verließ das Dorf. Es brannte. Die Toten verbrannten; auch seine Familie. Sie
hatten sie nicht verschont. Das Dorf war bloß klein gewesen. Er verstand nicht,
was sie hier gewollt hatten. Er hatte schon gehört, was sie machten. Denn auch
sie hungerten in diesem kalten Winter; in diesem viel zu lange dauernden Krieg.
Er selbst war früher ein Soldat. Doch das waren keine Soldaten mehr. Das waren
Idioten. Junge Männer die ein Abenteuer erleben
wollten. Vor zehn Jahren musste sich jeder entscheiden auf welcher Seite er
stand. Er hatte Geschichten gehört, von Männern, die ihre Nachbarn erdolchten.
Und weswegen? Weil dieser Mönch nicht zufrieden war? Es hatte so lange gut
funktioniert! Und dann auch noch der den sie verbrannten. Es fing nie wirklich
an; es hatte nie wirklich aufgehört. In seinem Dorf hatte das keinen interessiert. Die Leute mussten
sich ernähren, sie hatten keine Lust zu streiten, sie halfen sich; hatten Angst
die Gemeinde zu verlieren. Doch das hatte Björn nicht interessiert. Er war
Soldat geworden. Zum einen um nicht Bauer sein zu müssen, zum anderen weil er
dort raus musste. Er hielt es dort nicht aus. Bald marschierte er in dem Heer
eines Aufständischen. Bald kam die erste Schlacht. Bald lernte er den Tod
kennen. Und danach kam der Hunger. Keiner hatte an Versorgung gedacht. Alle
gingen um zu rauben. Alle außer Björn. Alle massakrierten die Ernährer. Alle
außer Björn. Alle wurden zu Monstern; außer ihm.

Er
war schockiert. Nichts war mehr von seiner Überheblichkeit, nichts von seiner
Selbstsicherheit war geblieben. Er schwor sich zurückzukehren; nach Hause. Und
so schleppte er sich, den Hungertod stets in Sichtweite, davon. Er kam an. Und
kippte um. Er konnte nicht mehr. Er erwachte im Haus seiner Eltern. Er war
krank, und er war glücklich. Doch dann kamen sie. Er wollte sich verteidigen.
Er wollte seine Familie beschützen. Doch es waren zu viele. Sie hatten ihn
liegenlassen, sie dachten er wäre tot. Er wünschte sich er wäre es. Er spürte
den kalten Stahl auf seiner Haut. Er hatte ihr Banner erkannt. Er würde sich
rächen; und sterben. Er wusste, dass es nicht nur ihre Schuld war. Er wusste
wessen Schuld es war. Doch auch er war nicht unschuldig…


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