Dämonentango

Über den Autor

Nico Weiß wurde am 29.06.1980 im westfälischen Hagen geboren und lebt mit seinen zwei Söhnen und seiner Frau im beschaulichen, sauerländischen Wiblingwerde.

Beruflich ist er als Kraftfahrzeugmechaniker bei Mercedes-Benz im nahen Altena. In seiner Freizeit widmet er sich seinen Hobbies Modellbau, Inline-Skaten und natürlich auch der Schreiberei.

Ende 2010 brachte er mit Luzifers Blut seinen ersten Roman heraus, eine düstere Vampirgeschichte, erschienen im BOD-Verlag. Es folgten drei weitere Bücher, eine Serie über einen Dämonenjäger in Berlin, die sogar bereits eine kleine Fangruppe hat.

Sein bevorzugtes Genre ist die Fantasy, aber ebenso interessiert er sich für Science-Fiction und würde auch gerne mal einen Endzeitroman schreiben.

Leseprobe

„Von Klopfen halten sie nicht viel, oder Morane?“ Na, zumindest wusste er schon mal, wer ich war, obwohl er mich bislang nur am Telefon hatte. Ich lehnte mich an den Türrahmen und verschränkte meine Arme vor der Brust.
„Nein, tue ich nicht, sorry. Ich halte auch nichts von Leuten, die sich Dämonen im Haus halten.“ Kobaschek legte langsam die Akte aus der Hand, die er kurz zuvor noch aus dem Stapel gezogen hatte.
„Ja, ihre Meinung kenne ich ja jetzt. Aber ich habe das nicht zur allgemeinen Bespaßung angeordnet sondern weil ich glaube, dass sie dieser Dämon tatsächlich interessieren könnte. Ich habe so etwas noch nicht zu Gesicht bekommen.“ Ich hob meine Augenbrauen etwas an.
„Sie scheinen im Allgemeinen noch nicht allzu viel zu Gesicht bekommen zu haben. Wie lange sind sie jetzt schon in Berlin?“
„Drei Wochen.“ Na gut, in drei Wochen konnte man doch schon allerhand erleben, wenn man denn wollte. Es war ja nicht so, als wäre es hier besonders langweilig.
„Und wie viele Dämonen sind ihnen in dieser Zeit untergekommen?“ Er zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung, auf jeden Fall genug um zu wissen, dass dieser Dämon alles andere als normal ist.“ Er stand auf und kam hinter seinem Schreibtisch hervor. Der Kerl war ziemlich groß, gut gebaut und überragte mich um knapp einen halben Kopf.
„Aber dass schauen sie sich am besten selbst an.“ Er deutete mir, ihm zu folgen und wir gingen den Flur entlang, passierten eine Glastür und gingen danach ein paar Stufen herunter ins Erdgeschoss des Reviers. Hier befanden sich die Zellen. Der kleine Trakt war grau in grau gehalten, passend dazu waren die schweren Stahltüren in hellgrau lackiert. Kobaschek ging zielstrebig zu der Zelle, die sich links von uns befand und als einzige belegt zu sein schien. Es hätte mich auch gewundert, hätten hier irgendwelche menschlichen Insassen ihr klägliches Dasein gefristet. Seitdem diese Sache mit den Dämonen hier überhandgenommen hatte, war die ganze Stadt zwar zu einer gesetzlosen Zone verkommen, aber die Jungs in Blau hatten bestimmt besseres zu tun, als sich um Kleinkriminelle zu kümmern. Und so taten die wenigen Bewohner dieser Stadt zwar dass, was sie wollten und auch mussten, um hier weiterhin zu überleben, aber vor der Polizei hatte von denen keiner mehr etwas zu befürchten. Es sei denn, irgendein Volldepp von Ganoven entschied sich dafür, seinen Scheiß direkt vor deren Nase abzuziehen. Langsam schloss Kobaschek die Zelle auf, und als er die Tür öffnete, blieb er ganz dicht hinter dieser stehen, als würde er befürchten, von dem Insassen sofort eins auf die Fresse zu bekommen. Er winkte mich heran.
„Bitte sehr. Viel Spaß.“ Ich nickte und tat einen Schritt vor, um einen vorsichtigen Blick in die dunkle Zelle zu werfen. Am anderen Ende stand jemand mit dem Rücken zur Tür und schien regungslos die Wand anzustarren. Ich blickte auf die Neonröhren an der Decke. Sie waren alle zersprungen.
„War er das?“ fragte ich den Polizeihauptmeister und deutete auf die kläglichen Reste der Zellenbeleuchtung. Er nickte.
„Er…sie bevorzugt es wahrscheinlich lieber dunkel. Wir hätten das Licht auch ausgelassen, aber er…sie zog es vor, dass selbst zu machen.“
„Sagen sie doch es. Ist manchmal leichter.“ Er nickte und warf einen flüchtigen Blick in den Raum hinein.
„Daran gewöhne ich mich wohl nie“, seufzte er und ich setzte einen Schritt in die Zelle. Dann wandte ich mich noch mal an den Polizisten.
„Machen sie lieber die Tür zu, Kobaschek.“ Er stutzte und sah mich an, als wollte ich ihm einen rosa Elefanten verkaufen.
„Sind sie sich da sicher?“ Ich nickte und Kobaschek schloss etwas zögerlich die Zellentür. Meine Augen benötigten eine Zeitlang, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, die lediglich von dem fahlen Mondlicht durchschnitten wurde, das durch die kleine vergitterte Schießscharte fiel, die wohl mal ein Fenster werden sollte. Ich fokussierte die Person, die in der Ecke der Zelle stand und sich immer noch nicht regte. Ich räusperte mich, um die Aufmerksamkeit zu erregen. Langsam konnten meine Blicke zumindest Umrisse erkennen, die deutlich machten, dass es sich um eine Frau handelte. Und die von Hinten im Dunkeln schon mal recht passabel aussah. Immerhin. Langsam drehte sie sich herum und zwei leuchtend grüne Augen funkelten mich an. Ich hatte ja keine Ahnung gehabt, dass Dämonenaugen so leuchten konnten.
„Wer bist du?“ fragte ich den Dämon, der jetzt einen kleinen Schritt auf mich zu tat. Ich tastete nach dem Griff meiner Pumpgun.
„An deiner Stelle würde ich da stehenbleiben, wo du bist und mir sagen, wer du bist und was du von mir willst“, sagte ich in einem etwas strengeren Tonfall, aber das schien sie zu amüsieren. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber ich konnte hören, dass sie kicherte.
„Du bist Collin Morane?“ sagte eine sanfte, rauchige Stimme. Sie hatte einen leichten, nur schwer zu interpretierenden Akzent.
„Nein, ich bin Schneewittchen.“ Ich hörte sie seufzen.
„Also schön, dann muss ich mich wohl zuerst vorstellen. Ich bin Natalia.“
„Natalia? Und weiter?“
„Einfach nur Natalia.“
„Also schön Natalia einfach nur Natalia, dann schieß mal los. Was willst du von mir?“ Wieder kam sie einen Schritt näher und ich hob meine Waffe. Dämonen konnten noch so harmlos wirken, man konnte vorher nie wissen, was sie alles draufhatten. Die meisten von ihnen konnten eigentlich nichts, was der Mensch, den sie besaßen, nicht auch konnte. Aber die stärkeren von ihnen waren in der Lage, ihrem Wirtskörper etwas von ihrer höllischen Macht zu verleihen und so konnte es auch mal vorkommen, dass sie Blitze verschießen oder Gegenstände durch die Luft fliegen lassen konnten. Wie stark der Dämon in diesem Mädel war, konnte ich nur erahnen.
„Willst du mich erschießen?“ fragte sie und deutete auf meine Waffe. Ich nickte.
„Jep. Zunächst will ich aber wissen, was du von mir willst. Wenn du weiterhin nur meine Geduld strapazieren willst, erschieße ich dich aber auch gerne sofort.“ Natalia stieß die Luft durch ihre Zähne.
„Na na, warum gleich so rabiat? Was habe ich dir denn getan?“
„Du bist ein Dämon, dass reicht.“ Und inzwischen konnte ich auch die Macht des Dämon spüren, der sich in ihr festgesetzt hatte. Er war mächtig, und alle Versuche, ihn auszutreiben, wären im Sande verlaufen. Es blieb mir tatsächlich keine Wahl. Ich musste sie abknallen. Langsam erfüllte die Macht des Dämons den ganzen Raum und ich konnte sie überall spüren. Sie war um mich herum, sie war in mir und durchdrang mich. Bei jeder Gegenüberstellung mit so einem Dämon lief ich Gefahr, dass er aus dem Körper meines Gegenübers herauskam und mich in Besitz nahm. Und ich hätte mich nicht dagegen wehren können, denn gegen solche Angriffe von Dämonen gab es keine Abwehrmöglichkeiten, da konnte man noch so viele religiöse Gegenstände bei sich haben oder noch so mit Silber behangen sein. Wen ein Dämon ausgewählt hatte, den bekam er meistens auch.
„Was ich will willst du also wissen?“ Sie trat jetzt noch einen Schritt näher und stand jetzt mit ihrer Brust direkt vor dem Lauf meiner Waffe. Nun konnte ich auch ihr Gesicht sehen. Sie war von faszinierender Schönheit. Ihre mandelförmigen, smaragdgrünen Augen leuchteten zwar nicht mehr so extrem wie zuvor, doch strahlten sie immer noch einen unglaublichen Reiz aus. Ihr Teint war makellos und leicht gebräunt und ihre Gesichtszüge fast engelsgleich. Gerahmt wurde dieses Gesicht von pechschwarzen, schulterlangen Haaren, die sehr gepflegt waren und wie Samt zu sein schienen. Ich war beeindruckt.
„Gefällt dir, was du siehst, Collin Morane?“ Ich schluckte und holte danach tief Luft.
„Ja. Du bist ein Dämon mit Geschmack muss ich feststellen.“ Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
„Ich bin ein weiblicher Dämon, also schaue ich mir auch einen weiblichen Wirt aus. Logisch oder?“ Moment mal.
„Ein weiblicher Dämon?“
„Die, die in Natalia innewohnt, heißt Vanth. Sie und Natalia sind nun eins. Sie harmonieren miteinander.“ Ich schüttelte den Kopf und schob meine Erkenntnis beiseite, dass ich wohl mit dem hübschesten Wesen sprach, dass mir jemals vor die Flinte gelaufen war. Und das wortwörtlich. Mensch oder Dämon, ihre Erscheinung war traumhaft, aber ich war ein Jäger und durfte mich nicht davon beirren lassen.
„Ihr seid nicht eins. Du hast Besitz von einem Menschen ergriffen und dass ist meiner Meinung nach echt Scheiße. Man ergreift nicht Besitz von Menschen.“
„Aber Natalia wollte es, sie hat sich bereit erklärt, einen Dämon in sich aufzunehmen. Klingt komisch, ist aber so.“ Langsam wurde dieser Dämon auch noch frech. Das mochte ich gar nicht.
„Hör mal zu….“ Natalia hob einen Finger.
„Nein, hör du mir mal zu, Collin Morane. Ich bin hier, um dir zu helfen. Es wird etwas passieren, was du nicht alleine auf die Reihe bekommen wirst. Du wirst Hilfe brauchen und ich werde sie dir geben, also hör auf, dir Gedanken über mich oder Natalia zu machen. Das hat alles seine Richtigkeit.“ Frech und zickig. Und verlogen bis dorthinaus. Na wunderbar.
„Verarsch mich nicht, klar? Du willst mir helfen? Dann fahr aus diesem Körper, damit wäre mir und dem Mädchen am besten geholfen.“ Sie schüttelte den Kopf.
„Ich kann nicht. Und ich werde auch nicht. Natalia hat sich mir geopfert, sie wusste, auf was sie sich einlässt. Aber sie hat es für die Menschen in dieser Stadt getan. Soll ich dir verraten, wer mich beauftragt hat, dir zu helfen?“ Jetzt war ich aber neugierig.
„Bitte. Verrat es mir.“ Und danach knall ich dich ab. Schade um den schönen Körper, aber was sein muss, muss sein.
„Der große Boss hat mich persönlich beauftragt. Weißt du, ich habe keinen Bock mehr auf die Hölle, ich habe viel zu viel dort gesehen. Du kannst es dir wahrscheinlich nicht vorstellen, aber glaub mir, die Hölle ist echt scheiße und Luzifer ist ein beschissener Boss. Ich habe Gott um Erlösung gebeten, aber als Dämon muss man für seine Erlösung große Opfer bringen.“ Da musste ich ja fast laut lachen. Was wollte mir dieser Dämon da erzählen? Dass er von Gott persönlich zu mir geschickt wurde? Lächerlich! Ich lud meine Pumpgun durch.
„Okay, mir reichen deine Spielchen jetzt. Ich knall dich über den Haufen. Wenn du willst, kannst du dich dabei herumdrehen…“ Sie schüttelte langsam den Kopf und starrte mich aus ihren grünen Augen an. Irgendetwas konnte dieser Dämon mit seinen Blicken in mir anrichten. Meine Gedanken verschwommen langsam und ich hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Wenn ich jetzt nicht abdrückte, hatte er mich unter Kontrolle. Mein Finger zuckte, vermochte aber nicht den Abzugshahn zu betätigen. Das war’s. Ich hatte wohl verloren.
„Du knallst mich nicht ab, Morane. Auch wenn du mir momentan nicht glaubst, aber abknallen wirst du mich nicht.“ Ich ließ meine Waffe sinken und riss mich von ihren Blicken weg. Dann wandte ich mich zur Tür und klopfte dreimal gegen das Metall.
„Aufmachen!“ Natalia kam noch einen Schritt näher und funkelte mich an.
„Nimm mich mit und ich beweise dir, dass meine Geschichte wahr ist.“
„Du kannst mich mal! Und zwar kreuzweise!“ Die Tür hinter mir wurde geöffnet und endlich trat Licht in den Raum. Natalia wich einen Schritt zurück und ich machte mich dünne, ohne mich zu ihr umzudrehen. Als Kobaschek die Tür wieder schloss wandte ich mich an ihn:
„Knallen sie diesen Dämon bitte für mich ab?“ Er schaute mich verwundert an.
„Nanu, weich geworden?“ fragte er mich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Ich wollte ihm am liebsten einen auf die Murmel geben um ihm zu zeigen, wie weich ich geworden war. Aber Beamtenbeleidigung gepaart mit Körperverletzung kam dann wahrscheinlich doch nicht so gut an. Bei meinem Glück hätte er mich direkt in die gleiche Zelle gesteckt, aus der ich gekommen war.
„Ich wollte ihnen auch mal ein wenig Spaß gönnen“, sagte ich, vielleicht etwas kleinlaut, und verließ dann so schnell wie möglich die Wache. Die Nacht war zwar noch jung, aber ich hatte schon die Schnauze voll.


Weitere Informationen

  • Titel: Dämonentango
  • Autor: Nico Weiß
  • Verlag: Books on Demand
  • Preis: 13,95 €
  • ISBN: 978-3842329744
  • Einband: Broschiert
  • Seiten: 260
  • bei Amazon bestellen
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