Das silberne Raumschiff von Tim und Tom war heute Nacht
in einen Asteroidensturm geraten und die beiden waren eifrig bemüht, alle Instrumente und Anzeigen
am Cockpit zu prüfen, ob es eine Beschädigungen gab.
Omega, der kleine Hund war sehr aufgeregt.
Das Hin- und Herlaufen der Beiden machte ihn ganz nervös und immer wenn Tim
oder Tom ein Werkzeug weglegte, schnappte er es sich und trug es in seinen Korb
um damit zu spielen.
„Bringe sofort wieder meinen
Schraubenzieher her, ich kann nicht weitermachen!“ Rief Tim, oder war es Tom?
Omega wedelte mit dem Schwanz und brachte
das kleine Hämmerchen her, denn er wusste nicht, was ein Schraubenzieher war.
„Omega, bringe sofort alles wieder her und
lege es da hin!“
Tim und Tom standen in der Mitte des
kleinen Raumes und schauten sehr böse auf Omega. Beide hatten ihre Zeigefinger
ausgestreckt und zeigten in zwei verschiedene
Richtungen.
Das verwirrte Omega, er legte sich hin und
vergrub seine Schnauze in den beiden Vorderpfoten.
Seufzend kamen die Beiden zu ihm und
holten sich ihre Werkzeuge selbst.
Omega war ganz still, klopfte nur leise
mit dem Schwanz auf den Boden.
„Ach, ich verstehe das nicht, er folgt nur
Tante Monika!“ Rief Tom, oder war es Tim?
„Ja, ich wollte sie wäre da. Wir könnten
sie so gut gebrauchen, sie könnte zwischen Anuf und Benuf vermitteln!“
Kaum hatte er ausgesprochen, öffnete sich
das Weltentor einen Spalt und sie sahen Tante Monika in der Küche stehen, wie
sie gerade in einem großen Topf umrührte und sich die Hände in der weißen
Schürze abwischte. Klaus und Lisa saßen am großen Küchentisch und spielten ein
Brettspiel.
„Es zieht, wo kommt denn nur der kalte
Hauch her?“ Tante Monika hob erstaunt und suchend den Kopf und da sah sie das
offene Weltentor und Tim und Tom dahinter.
„Nein, wir haben keine Zeit, schließt das
Tor gleich wieder!“ Sie war zornig, wenn sie an die letzten Abenteuer dachte
und wie viel Zeit sie dafür aufwenden mussten.
Die Kinder, Klaus und Lisa hatten das Tor
ebenfalls gesehen.
„Oh, Tim und Tom!“
Sie sprangen fast gleichzeitig auf und
liefen einfach durch den Spalt des Weltentores zu den Beiden hinüber in das
Raumschiff.
Tante Monika konnte gerade noch den
Schalter am Herd umlegen, die Schürze wegwerfen um den Kindern nachzulaufen.
Sie konnte die Beiden doch nicht alleine lassen!
„Ach, Tante Monika, Lisa und Klaus!“ Die
beiden Sternenwanderer freuten sich sehr, dass ihre Freunde da waren.
Und wie immer, erstrahlten die Kinder und
Tante Monika plötzlich in silbrig
glänzenden Raumanzügen. Das geschah
jedes Mal, wenn sie das Weltentor passierten.
Auch Omega war herbeigeeilt und sprang an
Tante Monika und den Kindern hoch. Er konnte gar nicht mehr aufhören vor lauter Freude zu bellen.
„Ich nehme an, ihr braucht schon wieder
meine Hilfe, oder?“ Tante Monika schaute zwischen Tim und Tom hin und her und
die Beiden glaubten ein Zwinkern des linken Auges beobachtet zu haben.
Inzwischen war Klaus nach vorne gelaufen
zu den Instrumenten und dem großen Fenster, das die Weite des Weltraumes ahnen
ließ.
„Klaus, berühre nichts, du weißt, wir
können sonst nicht mehr zurück!“ Riefen Tim und Tom gleichzeitig.
„Ja, wir müssen gestehen, wir haben dich
herbei gesehnt. Es gibt da ein Problem auf dem
Zwillingsplanet Anuf und Benuf. Die beiden Länder auf dem
Zwillingsplaneten sind seit über einer Sternenzeit, das sind ungefähr zwei
Erdenjahre, zerstritten und wir würden gerne vermitteln.“
„Oh! Worüber haben sie sich denn
zerstritten?“ Tante Monika schaute die Beiden neugierig an.
„Die Prinzessin Astra von Anuf und der Prinz Bestro von Benuf wollen
heiraten. Sie lieben sich nämlich. Aber der Ministerrat von Anuf will die Heiratsverträge nicht unterzeichnen.
Der Rat von Benuf besteht nämlich auf Mitgift der Prinzessin und zwar wollen sie
auch Wasser von der „Quelle des Lachens“, das es derzeit nur auf
Anuf gibt, für den Planeten Benuf haben.
Das Wasser heißt deshalb so, weil die
Kinder immer fröhlicher werden, wenn sie dieses Wasser trinken und dann helles
Lachen überall zu hören ist.
Doch das geht nicht, denn Anuf will das
Wasser nicht mit Benuf teilen, sie
haben Angst, dass das Kinderlachen von ihrem Teil des Planeten verschwinden wird, sollte das
Wasser nicht reichen“.
„Ja, aber wie wollen sie denn das Wasser
von einem Planeten zum anderen bringen?“ Klaus hatte diese Frage gestellt.
„Nein, nein! Das sind nicht zwei Planeten,
sondern es ist ein Zwillingsplanet. Die beiden Planeten sind in der Mitte
zusammengewachsen. Das geschah schon vor vielen, vielen Sternenzeiten. Aber es
gibt eben an der schmalen Stelle, wo sie sich berühren eine Grenze zwischen
ihnen. Nun sind der König und der Ministerrat von Benuf der Meinung, Anuf hätte lange genug
diese Quelle genutzt, nun seien sie an der Reihe und wollen das Wasser
umleiten. Sie wollen auch so helles Kinderlachen hören.“
„Ja, aber sie könnten sich das Wasser doch
teilen?“ Tante Monika schüttelte den Kopf vor solcher Uneinsichtigkeit, „und
außerdem brauchen Kinder kein besonderes Wasser, um Lachen zu können!“
„Naja, aber leider sind auf beiden Seiten
uneinsichtige Regierungsbeamte und sehen es als ihre Pflicht an, für „ihr Volk“
wie sie es nennen, das Beste zu tun. Sie haben Angst, die Quelle würde nicht
für beide Seiten reichen.“
„Na gut, dann versuchen wir einmal unser
Glück!“ Tante Monika deutete den Kindern an, sich zu setzen und sich
anzuschnallen und tat das Gleiche. Immerhin waren sie ja schon mehrere Male mit
dem Raumschiff unterwegs und wussten was sich gehörte.
Als sie auf Anuf landeten, wurden sie
freudig begrüßt, denn Tim und Tom bringen immer was Neues von den anderen
Planeten mit, wenn sie kommen. Einmal sind es neue Bücher, dann wieder Spiele,
oder auch Briefe von Freunden aus anderen Galaxien.
Aber bisher haben sie noch nie Besucher
mitgebracht. Tante Monika und die beiden Kinder wurden neugierig betrachtet und
ihre silbrig glänzenden Anzüge leicht berührt, denn sie hatten noch nie Kinder
in solchen Anzügen gesehen.
Der ganze Ministerrat war angetreten,
sieben ehrwürdig wirkende Herren, alle hatten sie lange Bärte und jeder einen
spitzen Hut auf dem Kopf.
Lisa und Klaus kicherten leise und stießen
sich an. Klaus meinte leise, sie sehen aus wie der Zauberer aus dem
Märchenbuch.
Der Mann in der Mitte machte einen Schritt
nach vor und begrüßte Tim, Tom und Tante Monika.
„Oh, Tim und Tom, wen bringt ihr denn da
mit? Wir sind sehr erfreut!“
„Darf ich vorstellen, das ist Tante
Monika, sie ist weit gereist, hat Freunde in der ganzen Galaxis und kommt vom
Planet Erde“.
„Soso. Vom Planet Erde. Wir hatten noch
nie Besuch von diesem Planeten. Das heißt, wir bekommen aber auch von keinem
anderen Planeten Besuch. Seid willkommen.“
Sie verneigten sich alle ein wenig und
auch Tante Monika neigte ihren Kopf.
Inzwischen waren einige Kinder
herbeigeeilt und liefen sofort zu Lisa und Klaus hin.
„Wollt ihr mit uns spielen?“ Fragten sie
„Ja! Was wollen wir den spielen?“
„Wir könnten Ball spielen, oder wir
könnten auch Verstecken spielen?“
„Ohja, das wird lustig“, sagte Klaus,
„Tante Monika, wir spielen hier und warten auf dich!“
„Ja, ist in Ordnung. Ich gehe mit Tim und
Tom zum Ministerrat und wir versuchen da das Problem mit dem Wasser zu klären.“
Tante Monika war sehr erstaunt darüber,
dass sie sofort vom Ministerrat empfangen wurden. Man führte sie in einen
großen Saal, mit einem runden Tisch in der Mitte und fünfzehn hohen goldenen
Stühlen rundherum.
Sie wurden begrüßt und nahmen dann Alle
Platz.
Sofort ergriff Tante Monika das Wort.
„Ich habe gehört, dass ihr ein
Zwillingsplanet seid, mit einer Grenze in der Mitte. Außerdem habe ich gehört,
dass ihr eine Quelle habt, aus der Wasser sprudelt, das Kinder zum Lachen
bringt. Unsere Kinder trinken natürlich auch Wasser, doch sie lachen deswegen
nicht mehr als ohne Wasser. Was ist das
für ein Wasser? Ich möchte es einmal kosten“.
Da trat einer der Männer an sie heran und
überreichte ihr ein Glas Wasser, das viele Luftblasen, also Kohlensäure,
enthielt.
Als Tante Monika das Glas an den Mund
führte und trank, stiegen ihr die Perlen der Kohlensäure in die Nase und sie musste
lachen.
„Ach, das ist also das Geheimnis eures
Wassers!“ Rief sie aus und lachte laut, „das ist eine Mineralwasserquelle und
sie wird nicht versiegen. Es ist sicher
genug Wasser für beide Teile eures Planeten vorhanden“.
„Ja, du siehst ja, dass sogar du lachen
musst, wenn du dieses Wasser trinkst“.
„Aber Kinder lachen ja auch, wenn sie
dieses Wasser nicht trinken. Das Wasser enthält viel natürliche Kohlensäure,
die in die Nase steigt. Deswegen muss jeder, der das trinkt, lachen. Schaut
einmal aus dem Fenster. Die Kinder spielen und lachen, und Klaus und Lisa, die
ja das Wasser nicht getrunken haben, lachen ebenfalls!“
Alle traten ans Fenster und sie waren sehr
erstaunt über diese Tatsache.
„Und außerdem ist so viel Kohlensäure für
die Kinder gar nicht gesund!“ Sagte
Tante Monika ernst.
Der Ministerrat zog sich nun in eine Ecke
des Raumes zurück und sie tuschelten und flüsterten miteinander.
Tante Monika, Tim und Tom blieben beim
Fenster stehen und sahen weiter den Kindern zu, wie sie auf der Wiese vor dem
Ratshaus spielten. Mitten drin lief auch Omega herum und versuchte auch den
Ball zu bekommen. Sein lustiges Bellen war gut zu hören.
Da kamen die Herren des Ministerrates
wieder aus der Ecke und ihr Sprecher sagte:
„Scheinbar hast du Recht. Du bist eine
weise Frau vom Planet Erde. Wir werden die Quelle mit Benuf teilen.“
„Oh, schön! Wenn nun Prinzessin Anuf und
Prinz Benuf heiraten, könntet ihr dich auch gleich die Grenze verschwinden
lassen. Das macht doch dann alles leichter“.
Die Männer vom Ministerrat sahen sich ganz erstaunt an und
zogen sich wieder in die andere Ecke des
Raumes zurück und flüsterten und tuschelten miteinander.
Dann kamen sie wieder zurück.
„Wir danken dir für deinen guten Rat, du
weise Frau vom Planet Erde. Wir werden das mit dem Ministerrat von Benuf
besprechen und wenn auch sie einverstanden sind, dann werden wir unsere Grenze
aufheben, das Wasser teilen und dann die Hochzeit gemeinsam feiern“.
Tante Monika, Tim und Tom waren sehr stolz
darauf, bei einer Lösung geholfen zu haben.
Als sie dann wieder zu dem Raumschiff zurückkehrten,
verabschiedeten sich Klaus und Lisa von den Kindern und waren sehr glücklich,
da sie neue Freunde gefunden hatten.
Sie versprachen sich gegenseitig, mit Tim und
Tom sich gegenseitig Briefe und Bilder zu schicken.
Als sie starteten, konnten sie noch einen
Blick auf das Ratshaus werfen und sahen dort die Prinzessin auf dem Balkon
stehen. Sie winkte ihnen mit einem weißen Tuch zum Abschied zu.
„Danke Tante Monika, wir sind sehr
glücklich über diese Lösung! So können wir weiter den Zwillingsplaneten anfliegen und die
Neuigkeiten verteilen“. Tim und Tom umarmten Tante Monika und drückten sie
fest.
Omega wusste nicht richtig was los war,
aber vor lauter Freude bellte er laut und sprang herum.
„Oh, habe ich gerne gemacht. Ihr werdet
sehen, das wird noch ein ganz glücklicher Planet werden, ohne Grenzen und
vielen glücklichen Kindern. Bei unserem nächsten Treffen müsst ihr uns dann
über die Hochzeit berichten!“
„Ja, das machen wir gerne!“ Sagten Tim und
Tom gemeinsam.
„Öffnet wieder das Weltentor, wir wollen
wieder nach Hause, ich muss fertig kochen!“
Tim, oder war es Tom, machten eine
ausladende Bewegung mit der linken Hand,
das Tor öffnete sich wieder und Tante Monika, Lisa und Klaus
durchschritten es und waren wieder in der Küche.
Sofort band sich Tante Monika wieder die
Schürze um, machte das Feuer unter dem Topf wieder an und rührte langsam um.