Bild von Joana

3. Der Diebstahl der Pyramide, Weltraummärchen


Auf dem Weltraumplaneten Gamma
gab es große Aufregung! Die Pyramide der Energie war verschwunden.

Die Pyramide war das Zentrum,
in welchem die Energie zur Versorgung
mit Energie des Planeten erzeugt
wurde. Sie stand bisher auf einem Sockel vor der Halle des Parlamentes von
Gamma.

Der Sockel wurde vom Hüter des
Lichtes heute am frühen Morgen leer
vorgefunden.

Die Bewohner wurden durch ihn mittels eines lauten Signals aus dem Schlaf geschreckt. Die
Männer versammelten sich auf der Agora, dem zentralen Platz und debattierten
eifrig miteinander, was denn los ist.

Doch plötzlich rief jemand:

„Die Pyramide ist weg, sie ist
verschwunden!“

Alle drehten sich zu dem vor
dem Parlament stehenden Sockel aus rosa Marmor um und stellten erschrocken
fest, er war leer.

Sofort ging ein Raunen durch
die Menge, welches dann langsam in ein
bedrohliches Grollen überging. Manche regten sich ganz furchtbar auf. Vor allem
waren es die Älteren, die sich noch an jene Zeiten zurück erinnern konnten, wo
der Planet kalt und unwirtlich war und sie nur mühsam Nahrung für sich und ihre
Familien finden konnten.

Wenn nun die Pyramide weg war
und keine Energie erzeugt werden konnte, befürchteten sie, nicht zu unrecht,
dass der Planet wieder erkalten könnte. Der Kern war erkaltet, die drei Sonnen,
die am Himmel standen waren sehr klein und gaben nicht viel Energie ab. Sie
gaben gerade Licht und etwas Wärme.

Langsam öffneten sich die beiden
vergoldeten Flügel des Parlamentgebäudes. Sie leuchteten in dem Licht der drei
aufgehenden Sonnen und heraus trat die Gemeinschaft der Ältesten mit dem
Obersten Richter an ihrer Spitze.

Er war mit einem weißen langen
Mantel gekleidet, verbrämt mit Gold und vielen bunten Federn vom Goropa-Vogel.

Diese Vögel waren das
Wappentier des Planeten. Sie nisteten ausschließlich in den Bergen, doch an
schönen klaren Tagen konnte man sie immer über der Stadt kreisen sehen. Durch
ihre Größe und der ungewöhnlich großen Spannweite der Flügel, waren sie der Garant dafür, dass die Wolken
am Himmel immer wieder verteilt wurden und das Sonnenlicht hindurch dringen
konnte. Die Strahlen der Sonne brachen sich in der geschliffenen Pyramide und wurden im Inneren des Sockels
aufgefangen und in Energie umgesetzt.

Sie standen unter dem
persönlichen Schutz des Obersten Richters. Sie durften von niemandem erlegt
werden und ihre Federn wurden von extra
dafür bestimmten Jünglingen eingesammelt. Nichts durfte von diesem heiligen
Vogel verloren gehen. Diese Federn
überreichten sie dann dem Beauftragten für die Weitergabe an den
Obersten Richter. Denn nur dieser durfte sie an seine Kleidung heften.

Zusammen mit der
Goldverbrämung und dem gleißenden Weiß des weiten Mantels erschien der Oberste
Richter wie eine Lichtgestalt aus einer anderen Welt und alle verbeugten sich.
Die Menge verstummte sofort, als er gebieterisch den Arm hob.

In diesem Augenblick
schwenkten die beiden Sternenwanderer, Tim und Tom gerade in die Umlaufbahn des Planeten ein,
und einen kurzen Moment wurde Tim, oder war es Tom, von dieser
Lichtbündelung geblendet.

„Schau Tim! Auf Delta muss was
los sein, so am frühen Morgen senden die Lichtsignale aus. Ich glaube die
brauchen Hilfe!“

„Nein Tom! Lass uns weiter
fliegen. Wenn sie Hilfe brauchen würden, dann hätten sie uns ja angefunkt. Sie
konnten ja nicht wissen, dass wir gerade jetzt vorbei fliegen. Ich bin heute zu
müde, um wo zu landen und die ganze Begrüßungszeremonie über mich ergehen zu
lassen.“

„Naja gut, aber ich habe
trotzdem das Gefühl, da geht es nicht mit rechten Dingen zu.“ Tim schwenkt
leicht verärgert das kleine Raumschiff wieder in eine andere Flugbahn und macht
sich daran, den Orbit über Delta zu verlassen.

Doch plötzlich gab vor ihm ein
Riesenraumschiff seine Deckung auf. Tom hatte es vorher gar nicht gesehen. Er
konnte es gar nicht sehen, da es seine Tarnvorrichtung eingeschaltete hatte.

„Oh, Tim! Was soll ich denn
nun machen?“

„Versuche unter ihm durch zu
tauchen, wahrscheinlich hat es uns gar nicht gesehen, so klein wie wir sind.“

Omega, der kleine Hund hatte
vor Schreck sofort zu bellen begonnen und wollte gar nicht mehr aufhören.

„Omega sei sofort still. Du
wirst uns noch verraten, wenn sie die Umgebung
scannen! Jetzt müssen wir ganz still sein!“

Doch der kleine Hund hatte
sich so erschrocken, er konnte gar nicht mehr aufhören zu bellen.

„Ach ich wollte, Tante Monika
wäre hier! Bei ihr folgt der Hund immer!“
Sagte Tom und schaute gegen die Decke des kleinen Raumschiffes.

„Ja und da gehört nun noch ein wenig Zitronensaft dazu!“ Sagte in
diesem Moment Tante Monika und rührte kräftig in der großen Rührschüssel auf
ihrem Schoße um.

„Oh, Tante Monika!“ Sagten Tim
und Tom zur gleichen Zeit.

„Na, jetzt habt ihr es wieder
gemacht! Jetzt bin ich aber zornig. Habe ich nicht gesagt, ihr sollt uns nicht
mehr rufen. Die Kinder müssen lernen, ich muss kochen und erzählen kann man das
auch niemand, glaubt einen ja keiner.“

„Bitte verzeih, Tante Monika,
es ist mir nur so heraus gerutscht. Weil Omega nun einmal nur dir gehorcht. Er
wird uns noch verraten.“

„Omega sei ruhig!“ Rief Tante
Monika und der kleine Hund hörte sofort zu bellen auf und legte sich hin.

„Na also, das hätten wir,
“ sagte Tante Monika und rührte weiter
in ihrem Teig herum.

„Schickt mich wieder zurück,
ich kann die Kinder nicht so lange allein lassen. Öffnet das Weltentor, aber
bitte schnell!“ Sie klang sehr ungeduldig.

Tim, oder war es Tom, drückte
auf das gelbe Feld im Display des Schaltpultes und das Weltentor öffnete sich.

„Tante Monika, mache schnell,
du weißt es ist nur zwei Minuten offen! Dann erst wieder morgen, um die gleiche
Zeit. Lass Omega!“

Tante Monika hatte begonnen
den kleinen Hund zu streicheln und dieser knurrte leise.

Und in diesem Moment
überschlugen sich die Ereignisse.

Lisa und Klaus hatten die
Küche betreten, sie wollten Tante Monika was fragen, als sie das offene
Weltentor sahen. Sofort liefen sie drauf los und konnten es gerade noch
passieren,

bevor es sich wieder schloss.

„Na Bravo, jetzt sind wir wieder
alle da!“ Tante Monika hatte den Rührteig einfach auf das Schaltpult gestellt
und sich nieder gesetzt.

Sie wollte aus der
Schürzentasche ein Taschentuch herausnehmen, doch sie war bereits wieder in
eines dieser silbernen Raumanzüge gekleidet und auch Lisa und Klaus erstrahlten
in Silber. Scheinbar geschieht das immer automatisch beim Durchgang durch das Weltentor.

Es war ihnen nicht gelungen,
unter dem großen Schiff hindurch zu tauchen. Sie hatten sie schon bemerkt und
sie mit einem Lichtkegel erfasst.

Nun waren sie nicht mehr in
der Lage selbständig zu manövrieren und wurden in ein großes Tor mittels des
Lichtstrahles getragen.

Als sie endlich standen und
Tim, oder war es Tom? Die Türe aufmachten, waren sie sofort umringt von einigen
böse blickenden Männern.

„Hallo, was ist denn los?
Warum schaut ihr den so streng? Ist was passiert? “ Fragten Tim und Tom gleichzeitig.

„Ja, unsere Pyramide wurde
gestohlen! Unser Energiespender. Es muss heute Nacht geschehen sein und
nun sind wir allen Fremden gegenüber
sehr vorsichtig und misstrauisch!“

„Erstens sind wir keine
Fremden, ihr kennt uns doch! Und außerdem waren wir heute Nacht viele Lichtjahre entfernt, in der
Möbus-Galaxy und haben dort Sternenpulver eingekauft!“

„Und ich war in meiner Küche
und habe einen Kuchen gebacken und die Kinder haben noch geschlafen!“ Tante
Monika fuchtelte mit dem Kochlöffel so
energisch herum, dass die Männer unwillkürlich einen Schritt zurück wichen.

„Also, wenn wirklich jemand da
war heute Nacht und die Pyramide gestohlen hat, dann werden wir ihn finden. Wir
werden einmal rund um den Planeten fliegen und
das Sternenpulver hinter uns
ausstreuen. Wenn da jemand weggeflogen ist, werden die Spuren sichtbar werden!
“ Tom sagte es und Tim nickte zustimmend.

„Oh, das macht ihr für
uns?“

„Natürlich!“ Nickten die
beiden.

Da trat aus der Reihe der
Männer der Hüter des Lichtes hervor und
sagte:

„Aber ich werde mitfliegen,
ich will dabei sein. Ich bin ja schließlich verantwortlich für die Pyramide!“

„Wie groß ist denn die Pyramide?
Wenn wir sie wieder finden, können wir sie dann auch in unser Weltraumschiff
einladen? “ Tante Monika, die Praktische, stellte diese Frage.

„Ohja, das geht sich aus, so
groß ist sie nicht.“, sagte der Hüter des Lichtes.

Sie besteigen nun wieder das
Raumschiff, allen voran Tom und Tim, dann der Abgesandte und dann die Kinder
und zuletzt Tante Monika.

Omega, der Hund war erst gar
nicht herunter geklettert, er war viel zu ängstlich und hatte sich unter den
Sitzen versteckt.

Lisa und Klaus setzten sich
ganz rückwärts in die beiden Reservesitze und schnallten sich an, Tante Monika
nahm neben dem Abgesandten Platz und Tim und Tom an den Schaltpulten.

Die Türe schloss sich
hydraulisch und das Raumschiff begann zu zittern und hob sich langsam und glitt
hinaus in den Orbit.

Tim ging nach rückwärts und
füllte ein wenig Sternenpulver in ein Ventil und hinter ihnen war ein golden
und silbern schimmernder Schweif zu sehen.

„Oh, schau, Lisa, in dem
Schweif sind Flugspuren in der Atmosphäre zu sehen, die geradewegs in
den Nebel dort gegenüber führen. Wir sind den Tätern auf der Spur! “ Jubelte
Klaus.

Tim und Tom hatten die Spur
auch gesehen und schon tauchten sie bei der nächsten Umrundung von Delta in den
Nebel ein.

Sofort waren sie von dem Nebel
umgeben, sie konnten fast nichts sehen, es war wie eine weiße Wand. Sogar der
Lärm des Raumschiffes klang nur mehr gedämpft.

Tim und Tom drosselten die
Maschinen und sie schwebten lautlos dahin. Plötzlich lichtete sich der Nebel
und schwaches Licht war zu sehen.

Sie waren in den Mittelpunkt
des Nebels gelangt. Vor ihnen lag ein bisher unbekannter Planet in diesem
gedämpften Licht. Sie glitten direkt auf ihn zu. Man konnte nicht sehen, woher
das Licht kam, der Nebel hüllte alles rundherum ein.

Es waren große Plätze zu
sehen, hohe Türme und runde Kuppeln. Sie hielten den Atem an, als Tim und Tom
auf einem dieser Platz das Raumschiff
landete.

Und wieder wurden sie umringt,
aber diesmal von einer großen Menschenmenge in unscheinbarer Kleidung, alle mit
Pfeil und Bogen ausgestattet. Sie wurden schweigend betrachtet und niemand
sprach auch nur ein Wort.

Als Tim und Tom die Türe öffneten und die Treppe
herunterließen, wichen sie zurück und ließen einen Durchgang frei.

Durch diesen Durchgang kam ein
großer Mann, in dunklem golddurchwirktem Gewande und sehr strengen Gesichtszügen. Er wartete ab, bis Tim und
Tom, gefolgt von dem Abgesandten und Tante
Monika, die Stiegen herunterkamen.

„Halt, nicht weiter!“ Seine
Stimme klang laut und streng, „was wollt ihr?“ Sein Blick war forschend und
abwehrend.

„Wie ist dein Name, großer
Mann? Warum stellst du dich nicht vor und wo sind wir hier?“ Tim und Tom
blickten sehr böse, „habt ihr heute Nacht auf Delta die Pyramide der Energie
gestohlen?“ Fragten Tim und Tom gleichzeitig.

„Ich bin Turban, der Verantwortliche für die
Energie hier auf unserem Planeten Sigmat. Wir haben sie nicht gestohlen, wir
haben sie uns nur ausgeborgt. Wir möchten wissen, wie sie funktioniert. Aber
leider können wir das nicht erkennen, bei uns funktioniert das nicht“

„Ja aber so geht das nicht.
Warum habt ihr nicht gefragt? An sich seid ihr ja fast Nachbarn. Die 50
Lichtjahre die ihr voneinander entfernt seid, sind ja nicht viel! “ Tim, oder
war es Tom, sagte es streng und runzelte dabei seine Stirne.

Der große Mann blickte
betreten zur Seite.

„Wir dachten, wir können sie
noch vor dem beginnenden Morgen wieder
zurückbringen. Aber ihr seht ja selbst, auf unserem Planeten ist es so dunkel
geworden, dass wir gar nicht merken, wann es Morgen und wann es Abend ist!“

„Wieso ist es denn nun so
dunkel?“ Tim und Tom waren sehr verwundert.

„Dieser Nebel hält uns
gefangen und die Strahlen unserer Sonne können nicht mehr durchdringen. Dadurch
wächst nichts bei uns, es wird immer kälter und wir werden erfrieren oder vor Hunger sterben.“ Seine Stimme wurde
immer leiser.

Da stemmte Tante Monika die
Arme in die Hüften und trat hervor.

„Also, was soll denn das!
Anstatt sich mit den Bewohnern von Delta, die ja eure Nachbarn sind, zu
verständigen, sie zu besuchen und ihnen euer Problem zu schildern, fliegt ihr einfach bei Nacht und Nebel hin und
entwendet ihnen die Pyramide? Schändlich ist das. Außerdem hilft euch die
Pyramide alleine gar nichts, da braucht ihr schon auch die Goropa- Vögel, die
den Nebel vertreiben, damit die Strahlen der Sonne wieder durchkommen können.“

„Oh, das wussten wir
nicht! Naja, wenn das so ist! Glaubt ihr
die Bewohner von Delta werden uns verzeihen, wenn wir die Pyramide wieder
zurückbringen? Und glaubt ihr, sie werden uns helfen?“

„Natürlich“, sagte Tante
Monika zuversichtlich, „ihr müsst nur mit Ihnen reden und euch entschuldigen!“

„Oh, Tante Monika, wieso weißt
du das alles?“ Lisa und Klaus waren ganz erstaunt.

„Naja, das hat mir einer der
Goropa-Vögel erzählt, als wir auf Delta waren!“, und dabei zwinkerte sie mit
dem linken Auge den beiden zu.

Sie bestiegen wieder alle das
Raumschiff und nahmen Turban, gleich
mit, damit er mit den Bewohnern von Delta sprechen kann. Zwei Männer folgten ihnen und trugen die Pyramide die
Stufen hinauf.

Als sie wieder auf Delta
landeten und die Bewohner sahen, wie die zwei Träger die Pyramide über die
Stufen herunter trugen, brach großer Jubel aus. Die beiden Männer trugen die
Pyramide zum Parlament und stellten sie wieder vorsichtig auf den Sockel.

Tim und Tom stellten Turban
dem Obersten Richter von Delta vor und erzählte ihm, welche Probleme die
Bewohner von Sigmat haben.

Turban entschuldigte sich sehr
wortreich und mit einer tiefen Verbeugung und sie schlossen Freundschaft.

Der Oberste Richter von Delta vereinbarte mit ihm, dass sie
einige der Goropa-Vögel vorüber gehend an Sigmat verleihen werden, bis sich die Vögel so vermehrt hätten, dass sie
durch ihre Flüge den Nebel vertreiben
konnten um die Sonnenstrahlen durchzulassen. Sie mussten allerdings versprechen,
dass sie die Goropa-Vögel auf ewige Zeiten schützen und verehren werden.

Außerdem wurde vereinbart,
dass man ihnen beim Bau einer eigenen Pyramide helfen wird.

Als Tim und Tom mit ihrem
Raumschiff wieder aufstiegen, wurden sie unter Jubelrufen verabschiedet. Sie
fuhren noch bei Sigmat vorbei und brachten Turban und seine Helfer nach Hause
und dann schwenkten sie wieder in das Weltall ein, um ihre Reise fortzusetzen.

Sie mussten den Sternenstaub
zu einer entfernten Galaxy bringen, denn dort wurden daraus Träume gemacht, die
dann wieder im ganzen Weltraum an die Kinder verteilt wurden.

„Halt, wo fährt ihr denn hin?“
Tante Monika stand inmitten der Kabine und hatte wieder ihre Schüssel und den
Kochlöffel in der Hand. „Wir müssen nach Hause, das Backrohr ist schon
aufgeheizt und wartet auf den Kuchen!“

Tim und Tom lachten und
verabschiedeten sich von Tante Monika und den Kindern und öffneten für zwei
Minuten das Weltentor, damit sie hinüber gehen konnten, in ihre Welt.

„Danke euch, dass ihr uns geholfen
habt!“ Hörten sie noch und schon standen sie wieder in der Küche von Tante
Monika.

„Das wird uns Mama nie
glauben!“ Sagte Klaus, oder war es Lisa?


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